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Im deutschen Reich · 1917-04-01 · Heft 4 (April 1917) · p. 155

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 4 (April 1917)
Article
Niedriger hängen!
Date
1917-04-01
Page
155 (sequence 7)
Language
German
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Modriger hängen! 155 Kriegsgesellsch asten. An der letzterwähnten Maßnahme bat ja die Partei, deren führendes Blatt in Westdeutschland die Kölnische Zeitung ist, ihr vollgerütteltes Maß an Schuld gehabt. Wie sehr gerade diese Iudenzählung vielleicht durch böswillige Verstellung noch verschlimmert, in den neutralen Staaten zuungunsten der deutschen Sache gewirkt hat, darüber ist niemand im Zweifelder die ungefärbten Stimmen darüber aus Ken verschiedenen Ländern hat vernehmen können. Die richtige Erkenntnis des An-- rechts, das man uns damit angetan hat, scheint in der deutschen Öffentlichkeit überhaupt noch nicht durchgedrungen zu sein. Hm: so tiefer verwundet ein Aufsatz, wie der über „Feine Leute"- zumal er außerdem in einer sogenannten liberalen Zeitung erscheint, für die Rücksichtnahme auf jedes Glaubensbekenntnis und Toleranz im höchsten S4nne eine erste Pflicht des politischen Programms sein müßte. Mit der Stellungnahme zu der Kölnischen Zeitung hat sich der Jentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens^ Ortsgruppe Köln, in einer zahlreich besuchten Vorstandsversammlung beschäftigt. Die Erwägungen^ die oben dargelegt worden sind, kamen ausgiebig zur Sprache. Scharf wurde bemängeltdaß in dem Aufsatz der Kölnischen Zeitung mit dem Worte: „deutsche Juden" ein Spiel getrieben werde, das geeignet setz bei der weniger genau unterrichteten Leserschaft ganz falsche An-, sichten zu erwecken. Leute, deren Namen auf deutsche Abkunft weisen, sind, auch wenn sie zur Hochfinanz gehören und Juden find, dann nicht mehr Deutsche, wenn, wie dies in fast allen hier in Betracht kommenden Fällen zutrifst, ihre Vorfahren und Familien weit mehr als hundert Jahre, oft Hunderte von Jahrenin Holland wohnen, wenn sie niederländische Staatsbürger sinddas holländische Staatsbewußtsein seit Generationen in sich ausgenommen haben, und daher auch hinsichtlich ihrer Sympathien zu Deutschland nur nach holländischem Maßstab beurteilt werden dürfen. Nennt man also gewisse Vertreter der holländischen Hochfinanz deutsche Juden, so ist das eben nur ein Gegensatz gegen portugiesische oder spanische Juden, bedeutet lediglich eine besonn dere Art des Kultus und der rituellen Verrichtungen, die sie aus Deutschland mitgebracht haben, während die spanischen oder por? tngiesischen Juden Sprache und Reltzgionsgebräuche aus ihrem Vaterlande nach Holland hinüberretteten^ hat aber nichts damit zu Lun. .daß etwa nun diese Leute ursprünglich deutscher Herkunftmoralisch verpflichtet wären, deutsch zu denken und. zu fühlen.. Diese holländischen Juden sind jedenfalls weit länger aus Deutschland ausgewandert, und den deutschen Interessen entfremdet, als die „Goschen" und „Bunsen", um andere Namen nicht zu nennend die augenblicklich in England die deutschfeindliche Rolle spielertz so daß es auch hier nicht notwendig war, auf Leute vom Schlage Oppenheimers oder Feibelmanns zurückzugreifen.

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