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Im deutschen Reich · 1917-04-01 · Heft 4 (April 1917) · p. 152

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 4 (April 1917)
Article
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Date
1917-04-01
Page
152 (sequence 4)
Language
German
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Im Deutschen Reichs 152 haben .und weiter zu Lun bereitend. 'Den Leitern d»:r Kölnischen Zeitung ist es auch nicht unbekannt geblieben, daß man nach dem Kriege eine methodische Verhetzung der Juden erwartetz dazu bestimmt, die Augen von den offenbaren Schädigungen abzu- Lenken, die z. B. das Verhalten weiter landwirtschaftlicher Kreise dem deutschen Volke zugefügt hat. Auch wird es sicherlich den nichtjüdischen Kriegsgewinnern (in der Schwerindustrie werden z. V. kaum jüdische Kriegsgewinner zu finden sein), nicht unlieb sein, wenn man. statt der Kriegsgewinner im allgemeinen die Juden als Sündenböcke in den Vordergrund schiebt. In solch schwieriger Lage der jüdischen Bevölkerung des Deutschen Reiches hält es die Kölnische Zeitung für angebracht, einen an sich ganz unglaublich gleichgültigen Brief eines noch gleichgültigeren holländischen Juden zum Abdruck zu bringen, und damit die Instinkte der Leser mit Abneigung nicht etwa gegen einen unklugen und bösartigen holländischen?£. D., sondern gegen die Juden zu erfüllen. Wenn das nicht Absicht ist, so ist es ein grobes Versehen, das der Absicht gleich zu achten ist. Der Wunsch der Kölnischen Zeitung, dem armseligen Briefschreiber oder auch den sämtlichen holländischen Inden eins auszuwischen, mußte zurückgedämmt werden gegenüber den für jedermanns Blick erkennbaren Interessen der deutschen Iudenheit, die durch solche Zeitungsmitteilrmgen in ihrem Existenzkämpfe beeinträchtigt, in ihrem innersten Empfinden getroffen wird. Diese Wirkung wird noch durch manche kleine Liebenswürdigkeiten erhöht, die der Artikelschreiber sich nicht hat entgehen lassen. Schon dieAeberschrist „Feine Le ute"5stellt eine.Verallgemeinerung dar, die ans Gehässigkeit schließen läßt. Das ausdrückliche Eingeständnis, man könne keinen konfessionellen Einteilüngsgrnnd unter den Feinden Deutschlands machen, ist eine billige Phrase gegenüber der Tatsache, daß der ganze Artikel lediglich konfessionell einteilt. Wer ein Blatt wie die Kölnische Zeitung leitet, muß wissen, daß nicht die Eigenschaft dieser Holländer als Juden sie zu dem Deutschenhaß veranlaßt, sondern ihre gesellschaftliche und berufliche Gliederung. Wo steckt der Deutschenhaß in den neutralen Landern hauptsächlich? In der hohen Finanz, die in der ganzen Welt international und interkonfessionell ist, und in. den kaufmännischen Berufen, vor allem in Holland, wo den Kausleuten die Schiffe wider Deutschlands Willen, den militärischen Bedürfnissen entsprechend, weggeschossen werden. Daß Juden in kaufmännischem Stande auch in Holland mehr vertreten sind, als in anderen Berufen, ist bekannt. Würde man feststellen, wie viele Mitglieder der Hochfinanz und des Kaufmannstandes in Holland deutschfeindlich und wie viele deutschfreundlich sindso würde der! Prozentsatz sicherlich nicht zuungunsten der Juden sich Herausstellen. Außerdem ist deutschfeindlich im ganzen Europa die sozialdemokratische Richtung, die in Holland weder etwas spezifisch

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