Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Die Rassen-Legende
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 148 (sequence 4)
- Language
- German
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148 Im Deutschen Reichs er den Engländern gehört, die ihn oft tmfö lang verkannter^ Shakespear e. In That ends well, in „Ende gut alleZ gut", läßt er den König sagen: «...'..».Seltsam istsdaß unser Blut, Vermischte maus, — an Farbe, Wärme und Schwere Den Unterschied verneint, und doch, so mächtia Sich trennt durch Vorurteil." Aber gibt es denn die vielgepriesene, reine germanische; Rasse? Ist es nur wünschenswert, daß es eine gebe? Sollten die Leute, die sich zu Verkündern oder Marktschreiern der Rassenlehre machen, wirklich nicht ahnen, wieviel slavisches Blut in der norddeutschen Bevölkerung, wie manigfaltig die Blutmischung in der süddeutschen ist! Es war wohl Pombal, der große portugisische Staatsmann und Aufklärungs-Minister, der, als einmal der König anordnen wollte, daß alle Einwohner nicht rein portugiesischer Abkunft gelbe Hüte tragen sollten, mit zwei gelben-Hüten beim König erschien. „Wozu diese Hüte?" fragte der König. „Einer für Ew. Majestät und einer für mich" erwiderte Pombal. Jede Ration hielt oder hält sich mehr oder minder offenkundig für ein auserwähltes Volk, über die anderen hinausragend, und jede mit dem gleichen Recht oder Anrecht. Professor Felix M^imigliano in Rom, ein Gelehrter von einem Ruf, den wir auch in der Kriegszeit gelten lassen können, schrieb jüngst in der Züricher „Internationalen Rundschau" Mter Anderem: „Auf die Frage, in welchem Verhältnis die Rasse zur Ration steht, müssen wir diel Antwort geben, daß gegenwärtig nur noch diejenigen Menschengruppen, welche je derZiv Nation widerstreben, sich einer reinen Rasse berühmen können, so die Buschmänner, Zulukaffern und! ihre Verwandten. Die höherstehenden Völker sind ausnahmslos aus mehr eren Rassen gemischte Im antiken Staate war die Rasse ein Faktor von entscheidender Wichtigkeit. In Athen und Sparta waren alle Bürger durch Bande der Verwandtschaft in einem innigen Zusammenhänge, fast so wie oer den arabischen Stämmen. Aber wie kann man heute noch von reinen Rassen sprechen, nachdem das Christentum die geistige Einheit Aller verkündet und die Einfalle der Barbaren eine allgemeine Blut Mischung bewirkt .haben. Alle modernen Rationen sind das. Ergebnis einer M ischnng von Völkern, welche verschiedenen Rassen ßmgehörten, Italien besonders, welches bekanntlich, dank seiner geographischen Lage, immer eine Hochstraße der Völkerwanderungen gewesen ist, stellt eine der buntscheckigsten ethnographischen Mischungen dar, in welcher das Blut der Kelten, Etrusker, Liguren, Griechen, Germanen^, Araber dem lateinischen beigemischt ist. Ebenso ist das lateinische Blut in den Adern der französischen Ration reichlich mit dem der Kelten, Germanen, Iberer, Griechen^ und Semiten versetzt. Die Kelten stehen anthropologisch den Deutschen näher als den Lateinern, Daher würde Frankreich für Deutschland eine zärtlichere Schwesterliebe empfinden müssen, als für Italien