Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Die Rassen-Legende
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Die ^laffcn-Ccgcnbc.: M7 Stufe der Kultur werden -Sie ihn immer am stärksten und am heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet, wo man gewissermaßen über den Nationen; steht und man ein (BIM Mer Wehe des Nachbarvolkes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet. Diese Stufe war meiner Natur gemäß.." In ähnlichem Sinne sprechen sich Lessing, Herder, Schiller aus. Freilich zu einer Zeit, da wir ein einiges deutsches Reich nicht hatten, nicht erhoffen konnten. In unseren Tagen der wiedererblühten Reichsherrlichkeit würde Goethe nicht spotten, wie er es in den Genien getan hat: Deutschland? Aber wo Liegt es? Ich weist das Land nicht zü finden- Wo das gelehrte beginnt, Hort das politi s ch e ans . . . -und Zur Nation euch zu bitdcn. ihr hofft es, Deutsche, vergebens. Bildet, ihr -könnt es. dafür freier zu M e n s ch e u euch aus. Nun denn, die Hoffnung war zum Glück nicht vergebens. Die Deutschen haben zu einer stolzen Nation sich nicht gebildet, sondern emporgerungen, von einer deutschen „Nasse" inde^ würde Goethe auch heute nichts wissen wollen. Ein schöngeistiger französischer Diplomat und ein englischdeutscher Kunst-Enthusiast stoppeln eine Rassen-Lehre zusammen!, die alle Gelehrten von Beruf, Naturforscher wie Völker-Psychologen, für baren Ansinn erklären, und uns wird zugemutet, daß wir sie ernst nehmen oder gar gelten lassen sollen! Gegen die Annahme einer besonderen, natürlichen Rassen- Rangordnung hat sich schon Alexander von Humboldt ausgelehnt, der höher gebildete, durch die ihnen glücklicherweise! zuteilgewordene geistige Kultur veredelte nicht aber von Natur aus edlere Volksstämme anerkannte. Vom Standpunkt des Naturforschers, des Anthropologen leugneten Virchow, Lus Han die Rassenrangordnung, dom Standpunkte des Geschichtsschreibers leugnet sie Ranke, ebenso der GeschichtsphilosoPhi Buckle, der es die „gemeinste Ausflucht" nennt, die Verschiedenartigkeit sozialer und sittlicher Zustände aus natürliche ^Unterschiede der Rasse zurückzuführen. Eine „leere Phrase^ und „puren Schwindel" nennt der Ethnologe Friedrich Müller die Rassenlehre. And all diesen führenden Geistern, all diesen Hohepriestern ihrer Wissenschaft, steht als einziger allerdings überlauter Zeuge für die Rassenlehre gegenüber ein Zaungast der Wissenschaft, wie Chamberlain — ein „Dilettant" wie er selbst zugesteht, ein vollkommener Fremdling auf dem Gebiete aus dem er sich so verwegen tummelt. Das treffende, das erlösende Wort über den angeblichen, natürlichen' Rassenunterschied des Bluts hat ahnungsvoll ein Dichter ausgesprochen, der mindestens ebenso unser ist wie