Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Die Rassen-Legende
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Im Deutschen Reichs zing" 1917: „Wenn der äußere Feind erledigt ist, kommt der innere Feind daran, die Macht des Fremdgeistes." Darüberwen sie damit meinen, lassen sie uns nicht im Zweifel. Jede Spalte der Zeitungen ihrer Dichtung widerhallt vom Ruse zum Kamps gegen die fremde „Rasse"- vom Kampfe gegen diejenigendie „nur Staatsbürger" sind. Wie steht es nun um das, waB jene Kreise die „Rasse" nennen? Wort und Begriff sind in der heutigen Anwendung ziemlich jung. Ehedem hat die Wissenschaft eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen den Menschenarten kaum gekannt — der ho mo sapiens ttxxr eine einzige geschlossene Gattung für sich. Erst Linne, der nun einmal in allem klassifizieren mußte, begann mit der Unterscheidung der Menschengattungen nach den Erdteilen und teilte sie in Europäer, Amerikaner, usw. oder in Kaukasier, Aethiopier, Mongolen, Malaien, Amerikaner, während Euv'ier nur drei Rassen gelten läßt, eine weiße, eine schwarze und eine gelbe. So wenig hatte die Rassen-Einteilung in Wissenschaft und Leben zu bedeuten, daß wir zum Beispiel in den unseren ganzen Welt- und Lebensinhalt umspannenden Werken Goethes das Wort „Rasse" nirgends finden — ni<fyt ein einziges Mal. Erst um die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts führte das Bedürfnis, die aristokratische Abgeschlossenheit wissenschaftlich zu begründen, einen französischen Diplomaten und Schriftsteller von Geist, den Grafen Gobineau zu seinem „Essai sur l’inegalite de races* humaines“. Die zunächst in Frankreich kaum beachtete, im wissenschaftlich regeren Deutschland immerhin wenig beachtete Lehre griff ein Kreis um Richard Wagner herum auf und C h a m b e r l a i n, in seiner Umgestaltung vom Engländer zum Deutschen selbst ein klassisches Beispiel der „Assimilation", eine Widerlegung der Rassenlehre, in seinem blendenden Stil und beweglichen Geist selbst ein Zeuge für die Vorteile und die glücklichen Ergebnisse einer gewissen „Arten-Mischung", griff die Gobineau-Lehre auf, um sie aus dem Bereich der wissenschaftlichen Erörterung auf den Tummelplatz der politischen Kämpfe oder Katzbalgereien zu zerren. Ehamberlain brachte es sogar fertig, Goethe zum falschen Zeugnis für diese Lehre zu pressen. Der Altmeister von Weimar hätte ihm schwerlich Dank gewußt für den versuchten Rachweis, daß seine Iphigenie gar keine Griechin ist, sondern die richtige deutsche Iungftau, daß sein Tasso ganz ein Deutscher ist und Eugenie, in der „Natürlichen Tochter", eine Deutsche von Kopf bis Fuß. Dabei hat aber Goethe nicht nur von Rassen, sondern auch von Rationalitäten-Anterschieden nichts wissen wollen. In den Gesprächen mit Eckermann sagt er einmal: „Mit dem Nationalhaß. ist es ein eigen Ding. Aus der untersten