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Im deutschen Reich · 1917-03-01 · Heft 3 (März 1917) · p. 120

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 3 (März 1917)
Article
Noch ein Wort zur Ostjudenfrage
Date
1917-03-01
Page
120 (sequence 4)
Language
German
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120 Im Dcutscbm Noch. Die Proklamation des Königreichs Polen rollt neben vielen anderen wichtigen Problemen auch das der Ostjuden auf. Die Berliner „Neuen Jüdischen Monatshefte" bringen in ihrer am 10. d. M. erschienenen Nummer zu dieser besonders heiklen und schwierigen Frage einige beachtenswerte Aeußerungen, ans denen sich die Ansicht weiter deiltsch-jüdischer und polnisch-jüdischer Kreise ergibt. In einem Aufsatz von Dr. A. Friedemann „Wir und die Ostjuden" wird nach einer ausführlichen und grundlegenden Darstellung der Materie ein Zusammengehen aller deutschen Juden auf Grund eines Mindestprogramms vorgeschlagen. (Ls wird darin verlangt: „Forderung unbedingter Gleichberechtigung aller Minoritäten, also auch der Inden, mit den Polen in der Verfassung, und ein in den Landesgesetzen festgelegter Schutz für ihre religiöse und kulturelle Eigenart, insoweit sie selbst deren Erhaltung wünschen. Abwehr jeden Zwanges zur Polonisierung und Vermeidung aller Germanisicrungsmaßnahmen. Entschiedene Ablehnung aller Sondergesetze bezüglich der Einwanderung und besonders der Grenzsperre und eine nachdrückliche Aufklärung der Öffentlichkeit, sowie der einflußreichen oberen Instanzen und des im Osten tätigen Beamtentums über alle einschlägigen Fragen. Schließlich eine umfassende tzilfslätigkeit zur Milderung des großen Elends und Studium der Wirtschaftslagen, deren Lösung nach dem Friedensschlüsse erfolgen muß". Eine im Anschluß an diesen Aussatz verösfcutkichte Erklärung der jüdischen A s s i nt i l a u t e n , die von Vertretern aller jüdischen Bich tun gen Warschaus beifällig ausgenommen wurde, legt die Wünsche der polnischen Juden dar) sie stellt folgende grundsätzliche Forderungen auf: . . Wir sind deswegen der Meinung, daß der Gedanke eines verfassungsmäßigen und gesetzlich garantierten Obersten Nationalen Kutturrates grundsätzlich annehmbar ist, also eines Organes, welches die Erziehung und kulturelle Entwickelung der jüdischen Jugend auf der sprachlichen Selbstbestimmung und auf diesbezüglicher Matrikulierung der jüdischen Bevölkerung gründen wird. ... Es versteht sich von. selbst, daß Juden in Polen ohne Unterschied von sprachlicher Selbstbestimmung volle bürgerliche Gleichberechtigung genießen werden, die in den Satzungen der Verfassung eine absolute Garantie findet." Die Zeitschrift selbst schließt ihre AnSsührungen über das neue polnische Königreich mit folgenden Worten: „Wir hoffen und wünschen im Interesse der gut vaterländischen jüdischen Bevölkerung Polens, aber auch im Interesse des jungen Staates selber, daß sich dessen neue Leiter der großen Vergangenheit würdig erweisen und erfüllt von dem

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