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Im deutschen Reich · 1917-03-01 · Heft 3 (März 1917) · p. 119

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 3 (März 1917)
Article
Noch ein Wort zur Ostjudenfrage
Date
1917-03-01
Page
119 (sequence 3)
Language
German
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Noch ein Wort zur Ofijiibenfragc. 119 Weile nach dem Kriege anschwellen sollte? Mir glauben mit J)r. Zivier» daß dies w'ufyt der Fall ist. Je leidlicher«sich die Lage dieser Aermstcn in ihrem eigene!: Lande in wirtschaftlicher 4imt> sozialpolitischer Hinsicht gestaltet, je mehr ihre Anhänglichkeit <ui die eigene Scholle sich verstärkt, desto weniger werden Ostjuden auswandern und mit Recht weist J)r. Adolf Grabowsky in seiner ausgezeichneten Schrift „Die .Polenfrage" (Verlag Carl Heymann) der deutschen Iudenschast bei Lösung dieser Aufgabe eine Führerrolle zu. Den ersten Schritt zur Ausrichtung der so Geprüften kann man bereits im Manifest des polnischen Obersten Rational* komitces vom Herbst 1914 erblicken. Darin heißt es: „Beim Ordnen der polnisch-jüdischen Beziehungen, die sich' in der letzten Zeit zufolae der abnormalen politischen und wirtschaftlichen Lage des Landes und der demagogisch-nationalistischen Agitation in unserer Mitte so verschärft haben» muffen wir uns entschieden auf den Boden der europäischen. Grundsätze stellen. Mir müssen an die alten, polnischen. Traditionen. den Juden gegenüber, an die Tradition der Czackr und Wielopolski, an- Lnüpfen und die Energie ausbriugen, die jüdischen Massen ul richtigen Bürgern zu machen und sie für die Interessen ocs Landes zu gewinnen. Das kann aber nur geschehen, indem den Inden völlige Gleichberechtigung gewährt und ihnen die Bedingungen' eines normalen Daseins zugesichert werden, indem der jüdischen Masse möglich gemacht wird, aus dem bisherigen verzweifelten ökonomischen Elend herauszukommcn, indem ihr der Zutritt zu jeder Arbeit gemeinsam mit allen anderen Bürgern des Landes eröffnet wird. Die Schlagworte des Antisemitismus, in welcher Form immer, können den Interessen unseres Landes nur Unheil bringen. Nicht vermittelst der nationalen Demagogie können wir die Uebel auf diesem Gebiete heilen, sondern durch eine ganze Reihe von Reformen,- die auf eine Verbesserung der allgemeinen Verhältnisse des Landes Hinzielen, die Kultur der Bevölkerung heben, neue Arbeitswerkstatten eröffnen und das £ani> auf neue Bahnen allseitig er Entwicklung drangen . . Indem wir uns von Rußland loslösen und uns mit Westeuropa verbinden, müssen wir auch in der Iudenfrage box gleichen Weg gehen» wie die westeuropäischen Völker: indem wir die Juden durch die völlige Gleichberechtigung gewinnen. Gleichzeitig müssen wir von den Juden mit allem Flachdruck verlangen, daß sie aufrichtige Bürger des Landes werden, in seinem Interesse arbeiten uui seine Entwicklung sich bemühen, DaS wird aber nur dann nwglich sein. wenn Polen den Juden den Zutritt zu allen Quellen Wohlstandes und der Kultur öffnet." Es ist eine Beruhigung und eine Freude zu wissen, daß diese Programmatische Erklärung nach der Einnahme Warschaus von den Deutschen wiederholt wurde. Wird sie in die Tat umgesetzt, dann wird auch Or. Ziviers begründeter und anerkennenswerter Propaganda Frucht und Erfüllung werden.

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