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Im deutschen Reich · 1917-03-01 · Heft 3 (März 1917) · p. 121

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 3 (März 1917)
Article
Noch ein Wort zur Ostjudenfrage
Date
1917-03-01
Page
121 (sequence 5)
Language
German
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Erfahrungen ans meiner Werbetätigkeit. 12! Gedanken wahren Liberalismus und wahrer Achtung vor der Eigenart und der Kultur der Minderheiten au die Lösung des Iudenprob lems herantreten werde n." Der Wunsch nach ^lnerkelrnung der sprachlichen und kultutcilcu Eigenart der Ostjuden in der neuen Verfassung des Königreichs komnrt in diesen Kundgebungen i,n klaren Worten zum Ausdruck. Dr. Michael Lehrfreund. .* Erfahrungen aus meiner Werbetätigkeit. Ban Else Dormitzer-Dorn, (Nürnberg). Wenn man sich viele Jahre agitatorisch betätigte, wenn man Anhänger für die Feuerbestattungsidee, Gönner für ein Blindenheim, Mitglieder für die jüdisch-liberale Vereinigung, Wohltäter für das Vroclenhaus gewonnen hat, wenn man mit aller zu Gebote stehenden Beredsamkeit, mit zähem Eifer sich in den Dienst einer für gut und richtig befundenen Sache stellte, da hat man nach erzielten Erfolgen nicht nur ^eur Gefühl innerer Befriedigung, sondern man erweiterte auch seine Welt- und Menschenkenntnis um ein beträchtlich Stück und heimste Erfahrungen ein, die einem wertvoll für Lebenszeit sind. Gestützt auf eben diese Erfahrungen, begann ich meine Werbetätigkeit für den Centralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, dessen Bestrebungen ich längst mit Interesse und warmer Teilnahme verfolgte. Wenn ich Hie2 ein wenig von dieser Tätigkeit erzählen will, so geschieht es, um denjenigen, die für die hohen Ziele des Centralvereins wirken wollen, einige Fingerzeige zu geben, die ihnen selbst und unserer Sache von Buhen sein können. Bon vornweg sei bemerkt, daß die wirkungsvollste und erfolgreichste Art der Propaganda die mündliche ist,- Zeitungsartikel und Rundschreiben, gedruckte Aufforderungen und die bestabgefaßten Darlegungen, sie können es mit der persönlichen Rücksprache, mit dem Verhandeln von Mund zu Mund nicht anfnehrnen. Eine ejebrudte Zuschrift wandert zumeist ungelesen in den Papierkorb, ein Zeitungsartikel wird bestenfalls flüchtig überflogen einer gut vorgebrachten, kurzen und sachlichen Erklärung lauscht gern, oder notgedrungen schließlich jeder. Das Für und Wider der Meinungen ergibt sich im Gespräch von selbst, und es zeigt sich zumeist ein größeres Interesse an dem Gegenstand, der einem einleuchtend vorgetrageu wird, als an gleichen Dingen, wenn man sie nur durch Lektüre kennen lernt.

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