Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Alphonse Levy
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 115 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316867-2351727--26913-2351817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
teilte gesamte schriftstellerische Betätigung ist seit seinen: Einuitte in Len inneren Betrieb des Vereins nur als icine Ergänzung seiner Tätigkeit im Verein zu begreifen. Seil: in vielen Lausend Abzügen verbreitetes Schriftchen „Die Erziehung der jüdischen Jugend zum Handwerk und zur Bodenkultur (Berlin 1895)" war ein ernster Mahnruf an Deutschlands Juden, ihre Binder den viel zu lange vernachlässigten Handwerken und der Landwirtschaft zuzuführen. Es verdankte seinen Ursprung der Anregung seiner Freunde, des hochsinnigen. Menschenfreundes Alphons Iacobsohn irr Leipzig rrnd des Konsuls Alexander M. Simon in Hannover, des Schöpfers der Ahlemer Anstalt. Nicht weniger bedeutsam für den Rechtskampf der deutschen Juden war die von ihm besorgte Herausgabe der gesammelten Schriften seines Gesinnungsfreundes und Lasndsmannes, des charaktervollen Dresdner Rechtsanwaltes Emil Lehmann (Berlin 1899). Verehrte er doch in Lehmann den aufrechten deutschen Juden, den tapferen Anwalt des Rechts seiner Glaubensgenossen. Erblickte er doch in ihnr die vorbildliche Verkörperung des wehrhaften deutschen Judentums. Einen Ehrenplatz unter Levys Schriften beansprucht seine nach überaus sorgfältigen Vorarbeiten 1901 veröffentlichte „Geschichte der Juden in Sachsen", durch die er sich ein bleibendes Verdienst um die Darstellung der Geschichte der Juden in Deutschland erworben hat. Sie ist durch vorurteilsfreie Sachlichkeit und durch strenge Ouellenprüsung ausgezeichnet. Geschmackvolle Darstellungskunst gereicht auch diesem Werke zu besonderem Vorzüge. Aus seinen zahlreichen sonstigen Einzelveröffentlichnngen hebe ich schließlich noch seine zum 200. Geburtstage Jean Jacques Rousseaus in der Fraukel-Grätzschen Monatsschrift 1912 veröffentlichte Studie über „Rousseau und das Judentum" hervor. Schon 1870 hatte er über ihn in der Freimaurerzeitung, in der eine lange Reihe seiner kritischen und schöngeistigen Arbeiten erschienen ist, eine feinsinnige Abhandlung veröffentlicht. Jetzt huldigte der in ernsten Kämpfen gereifte Mann noch einmal dankbar dem Großen, dem die Menschheit die Erklärung der Menschenrechte dankt, deren Folge die Anerkennung der Gleichberechtigung der Juden gewesen ist. So ist Alphonse Levy bis weit in das Greisenalter hinein schöpferisch tätig gewesen, ein stillbescheidener Arbeiter von einer fast ängstlichen Anspruchslosigkeit und doch ein tatkräftiger und zu rechter Stunde schnell entschlossener Streiter. Scharfäugig hat er das Leben durchschaut, treffsicher sein Arteil gefällt, schlagfertig und tiefbesonnen sein Wort in die Wagschale geworfen. Bis zuletzt hat er das heilige Lachen besessen, das aus wahrhaft gütigem Herzen über die Schwachen der Men-