Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Alphonse Levy
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 114 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Deutschen Ne ich. TU iDCttcrou öffentlicheil Stellungnahme und Betätigung im konservativen Sinne zurückgehalten. Innerlich ist er aber bis zuletzt ein Anhänger dieser Richtung geblieben, auch nachdem er ein Opfer der antisemitischeil. Hochflut geworden. Nach der Aufgabe seiner Stellung in Freiberg versuchte er es noch einmal, sich als Kaufmann zu betätigen. In diesen harten Jahren wurde aus dem beschaulichen Beobachter ein Kämpfer, aus dem Schöngeist ein Polemiker. Seine sonnige Natur rang mit der in ihm wachsenden Verbitterung, bis in ihm der Wille siegte, aus einem für sein Judentum Leidenden ein für das Judentum Streitender zu werden. War er bisher ein Jude aus innigster Ueberzeugung gewesen, so spürte er jetzt die Entschlossenheit, ein Vorkämpfer für die beleidigte Ehre, für das hefahrdete Recht seiner Glaubensgemeinschaft in Deutschland zu werden. Lauge genug hatten sich die deutschen Juden geduldig ihre Mißhandlung gefallen lassen. Endlich ^regte sich in ihnen der bisher zurückgedämmte Wille 31t einer kraftvollen und ehrenfesten Verteidigung ihrer Rechte als Staatsbürger, als Erben einer ehrwürdigen Vergangenheit und als Träger einer großen Zukunft. Am 5. Februar 180?) wurde nach erlisten Vorberatungen als erste Kampfgenossenschaft des bewußten Judentums in Deutschland der „Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" begründet. Kraftvoll äußerte sich in ihm die erkannte Notwendigkeit einer tatkräsligein Verteidigung der schwer bedrohten Gleichberechtigung der deutschen Bürger jüdischen Bekenntnisses. Mit tiefernster Freude blickte Alphonse Levy auf diesen neuen Frühling im deutschen Judentum und war nicht wenig stolz und glücklich, als die neue Organisation ih-n am 17, Oktober 1894 zu ihrem ersten Generalsekretär wählte. Mit einer geradezu jugendlichen Begeisterung erfüllte ihn diese Berufung. Ein neues Selbstgefühl steigerte seine Kraft. Aus seinen Briefen und Aussätzen aus dieser Zeit Hingt es wieder von kampfesfroher Entschlossenheit, von eisenermstem Willen, von stolzem Selbstbewußtsein. Und diese Begeisterung ist von da an die Grundstimmung seines Wesens geblieben. In ihr fühlte er sich mit „seinem" Centralverein verwachsen, dessen Werden und Wachsen fortan den Inhalt seines Lebens bildete. Ueber zwei Jahrzehnte hat er im Dienste dieser Ausgabe gestanden, ein rastloser, nimmer müder Arbeiter, stillbeglückt, seiner geliebten Glaubensgenossenschast dienen zu dürfen. In dieser Zeit ist keine Nummer der Vereinszeitschrift erschienen, in der er nicht das Wort ergriffen. - Und jede Zeile ist von dem Geiste ernster Verantwortlichkeit, gründlichster Sachlichkeit, ehrlichster Gesinnungstreue erfüllt.