Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Alphonse Levy
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 113 (sequence 3)
- Language
- German
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Mphonse Levy. 113 öjcfcn war und sich bereits eine eigene Firma in Dresden begründet hatte, in die Schristleitnng dieser Zeitung eingetreten.^ Von dieser Zeit an lebte er als freier Schriftsteller. Er war in den Jahren 1875—76 in der Schristleitwug der „Dresdner Nachrichten", dann in der „Dresdner Zeitung", hierauf von 1881 bis 1881 als Schriftleiter der amtlichen „Sächsischen Dorfzeitung" und von 1881—1893 als Redakteur des „Freiberger Anzeigers" und schließlich noch 1L93 im..Berliner Tageblatt" tätig. Inzwischen hatte er nach langen Kämpfen seine Jugendliebe, die er während seiner Berliner Jahre kennen gelernt, heimsühren dürfen. Sie ist in den 11 Jahren seiner überglücklichen Ehe seine treueste Kameradin gewesen. Er hat ihren Tod nur wenige Monate überlebt. Es gehört zu deu auffälligen Erscheinungen in Levys Leben, daß der für Freiheit schwärmende Mann, der für Aousseaus Ideen erglühte, der seine Unabhängigkeit als seine eigentliche Ehre empfand, Jahrzehnte hindurch in konservativen Zeitungen an leitender Stelle gestanden hat. Der konservative Zug war aber in seiner Wesensart, vielleicht sogar in seinem Judentum begründet. Wir Juden sind alle, das geht schon aus unserem zähen Festhalten an unserem Judentum und seinen heiligen Aeberlieferuugen hervor, im Grunde unseres Herzens Freunde des Bestehenden. Es ist sicher die Schuld der wachsenden Iudengegnerschast innerhalb der konservativen Partei gewesen, daß sich die Inden ihren Anschauungen immer mehr entfremden mußten. Für Alphonse Levy kamen aber noch wertvolle und sorgsam gepflegte Familienüberlieferungen dazu, die ihn von jeder Anteilnahme an der fortschrittlichen Bewegung fernhielten. Er selbst hat in seinen „Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben" von diesen Familienerinnerunge^n und ihrem Einflüsse auf seine politische Erziehung reizvoll erzählt, hatte doch Kurfürst Friedrich August der Gerechte seinem Argroßvater Simon Levy aus Tnschkau in Böhmen in besonders gnädiger Weise in Dresden Schutz und heimatsrecht gewährt und war ihm auch weiterhin ein freundwilliger Förderer geblleben. Sein Gl'vßvatcr Wolf Levy gehörte zu der Abordnung, die den früheren Kurfürsten und nunmehrigen König vojn Sachsen nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft feierlich begrüßte. Wolf Levy hatte auch spater Gelegenheit gehabt, seinem Fürsten einen bedeutsamen Dienst zu erweisen. Es war also nicht auffallend, daß in der Familie Levys eine streng vaterländische Gesinnung gepflegt wurde. Erst die überaus schmerzlichen Erfahrungen, die er seines Judentums wegen trotz seiner baterländtschen Treue als politischer Leiter des „Freiberger Anzeigers", des dortigen Amtsblattes, machen mußte, haben ihn von einer