Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Alphonse Levy
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Im Deutschen Beich. sprechen, da sich der Hügel über seinem Grabe eben erst geschlossen hat. Bur davon, was der für beit Lebenskampf an sich so wenig Geschaffene ringend n!nd schaffend geleistet, was der Stillbcscheidcne für das deutsche Judentum gewesen, sollen die folgenden Zeilen erzählen. Alphonse Levy wurde am 19. Bovember (2. Kislew) 1833 in Dresden geboren. Seine Jugend wurde auf das tiefste durch die überragende Persönlichkeit des mit seiner Familie verwandten Oberrabbiners Dr. Zacharias Frankel, des swäreren erste.: Dircitors des Breslauer Babbinersemiuars, beeinflußt. Der hübsche, hochbegabte Knabe wnrde der erklärte Lieblingsschüler des großer: Gelehrten. Gleichzeitig aber lies; sich der unter Frankels Führung aufstrebertde Schwager seiner Mutter, ])r. Wolf David Landau, der Wachfolger Frankels im Dresdner Oberrabbinat, die Weiterbildung seines jungen Steffen besonders angelegen sein. So war es nicht auffallend, daß der empfängliche Kunde von einer lcidmfch chi-ichen Liebe zu Kunst.n und Wissenschaften erfüllt ward. Bachdem er in der jüdischen Schule seiner Heimatstadt, die unter der Leitung des „Betiers" Marens Landau, des Vaters des spätereit Oberrabbiners stand, seine ersten Schulkenntnisse erworben, wurde er der danrals ansblühendcu Weustädlcr Bealschule zngesührt. Der zarte, schüchterne Knabe, der einzige Jude ün seiner Klasse, hatte in der ersten Zeit nicht wenig unter dem Mutwillen seiner gutmütig groben Mitschüler zu leiden. Wachdem er aber einmal den krästigsten seiner kleinen Onälgeister arg verprügelt, hatte er sich seine .Stellung unter seinen Mitschülern gesichert. Ls war für den befähigten Jüngling, der vor allem für Lamartine und Lord Byron glühend schwärmte, selbstverständlich, daß er nach der Vollendung seiner Schulzeit die Aniversität beziehen sollte. Aber allen hochfliegenden Zugendplänerh machte die Lrllärnng des erprobten Hausarztes ein jähes Lude, daß die zarte Gesundheit des jungen Mannes ein Studieren geradezu unmöglich machte, zumal bereits zwei Brüder in zartesten: Lebensalter verstorben waren. So wurde der jugendliche Schwärmer, der bereits durch seine frühreifen Aufsätze und formenschönen Dichtungen die Aufmerksamkeit auf sich geleuf't hatte, Kaufmann. Zeitungsaufsätze in der „Sächsischen Dorszeitnng" und in Änderen. angesehenen Zeitschriften seines sächsischen Heimatlandes, hochwertige Aebertragungen französischer Dichtungen; und seine Tätigkeit, als Freintanrer brachten ihn in Beziehungen zu den „Dresdner Bachrichten", die daruals unter Vireys Leitung eine führende Stellung zu gewinnen begannen. And eines schönen Tages war Alphonse Levy, der bis dahin in angesehenen Dresdner und Berliner Eeschastshäusern tätig ge-