Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Neuorientierung in der Judenfrage?
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 110 (sequence 5)
- Language
- German
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110 Im Den! scheu Reich. In solchem Sinne wollen wir hoffen, daß das Wort Feucht« wangers: „Die Iudenpolitik hat die 9lufgabe: das jüdische und das christliche Dasein 311 einer lebendigen und harmonischen Einheit zu machen" — zur Wahrheit werde. — Solche Erkenntnis der Iudenpolitik bedingt aber nicht das Aufgeben des jüdischen Glaubens, das Verlassen der Abstammnngögcmeiuschast, die Aufgabe der Tradition. „Jüdische Art und Glauben" kann in der großen Volksgemeinde Deutschland sehr wohl neben „Art und Glauben" der ^Christen bei Mohlfahrt aller bestehen. Dem Gedanken gegenseitigen Verstehens dient auch ein Werk, das in diesem Kriegsjahre von Friedrich Th im me herausgegeben worden ist. Es führt den schönen und verheißungsvollen Titel: „Vom inneren Frieden des deutschen Volkes." Ein Buch gegenseitigen Verstehens und Vertrauens. Verlag von S. Hirzel in Leipzig 1916. — Der Herausgeber läßt darin hervorragende Vertreter der verschiedensten Partei- und Geistesrichtungen zu Worte kommen. Vierzig Verfasser schreiben über die verschiedensten Gebiete — alle in dein Gedanken gegenseitiger Annäherung. Die Ileberschriften der fünf Buchabschnitte lauten: 1. Friede unter den Weltanschauungen. 2. Friede unter den Konfessionen uitö kirchlichen Parteien^ 3. Friede unter den Klassen mib Berufs ständen h. Friede unter den politischen Parteien,. 5. Friede unter den Nationalitäten, Anter den Vierzig Verfassern befinden sich nicht weniger 'als 17 Theologen: 13 evangelische und! -1 katholische. Ihnen liegt besonders am Herzen, daß evangelisches und katholisches Christentum als verträglich empfunden werde mit modernem Leben, mit deutscher Kultur, daß die kirchlichen christlichen Parteien sich gegenseitig verstehen nub vertragen lernen. Von der Versöhnung zwischen christlicher und jüdischer Gemeinschaft, deren Friede in den letzten vier Jahrzehnten doch erheblich mehr bedroht war als der zwischen Protestantismus und Katholizismus, handelt in einem besonderen Artikel nur ein Verfasse:': — der jüdische Gelehrte Geheimer Megierungsrat: Professor Dr. Hermann C o h e n. Er schreibt im letzten Abschnitt: Friede unter den Nationalitäten. Es bedarf für die breite Oeffentlichkeit der Aufklärung, daß Cohen den 'Begriff der Nationalität gleich Abstammung setzt, während er den Begriff der Nation für die ganze große deutsche Volksgemeinschaft vorbehält. In tiefgründiger Weise spricht der Verfasser von der ursprünglichen Reinheit des jüdischen Stammescharakters, von den Quellen der jüdischen Wissenschaft, von der Bodenständigkeit der deutschen Juden, von der gegenseitigen Anlehnung und Befruchtung jüdischer und christ»