Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Neuorientierung in der Judenfrage?
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 111 (sequence 6)
- Language
- German
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Alphonse Levy. 111 licher Grundlehren, von der jüdischen Messianischen Idee, von der Staatseinheit des jüdischen Denkens und darauf fußend von der Notwendigkeit gegenseitigen Verstehens, ohne dabei die Schatten im Bilde zu vertuschen. Die Schrift i\t getragen von Achtung für die christliche Religion und von Wurde der eigenen jüdischen Ueberzeugung. Sie verdient die weiteste Beachtung. Man hätte nur eben in dem Thimme'schen Buche gewünscht, daß auch ein christlicher Autor den Gedanken christlichjüdischer Versöhnung in einer besonderen Arbeit behandelt hätte. Nur der Herausgeber, der sein Buch „unseren gefallenen Brüdern" widmet, findet in seinem Schlußwort eine kurze Mendung, die auch dem Juden gerecht wird. Er sagt: „Kein oberflächliches Aburteilen auf Grund vorgefaßter Meinungen darf mehr stattfinden; der Protestant muß den Katholiken und Juden, der Liberale und der Freigeist den Positiven und Orthodoxen, der Konservative den Sozialdemokraten und umgekehrt zu begreifen und zu verstehen suchen. Möge Deutschland, umdrängt von einer Welt von Feindest, nicht vergessen, daß bei einer Neuorientierung keine Gruppe von dem Geist der Versöhnung, des gegenseitigen Verstehens und Vertrauens ausgeschlossen sein darf. , •fe Alphonse Levy. Die lachende Welt der Kindheitsennnerungen wird in mir lebendig, da ich mich rüste, dem Manne den Nachruf zu widmen, der mir seit Kindertagen ein liebevoller Führer, ein väterlicher Freund, ein Vorbild treuester Lebenserfüllung gewesen. Ich sehe den feinsinnigen Großvater Wolf Salomon Levy vor mir, der ein schlichter Kaufmann und zugleich ein vielbewunderter Klaviervirtuose gewesen, dessen ernste Tondichtungen einst bejubelt und dessen kraftvolle Militärmärsche den Beifall des kunstsinnigen Königs Johann von Sachsen gefunden. Ich schaue die kluge, fromme Großmutter Amalie geb. Feilchenfeld, die Enkelin des Oberrabbiners David Landau, der aus Lissa 1808 zur Einigung der Dresdner Gemeinden herbeigerufen worden war, wie sie rastlos in dem altväterlich vornehmen Hause waltet. Und dann sehe ich ihn, ihrem einzigen '.Sohn, mit dem leuchtenden Sonnenaugen des Idealisten, dem klingenden Lachen, der unerschöpflichen herzensgute und der immer ungebrochenen Schaffensfreude, der, selbst kinderlos, allen seinen Neffen und Nichten ein Plätzchen in seinem Herzen eingeräumt hatte. Aber von dem allen, was er ihnen, was er meinen verewigten Eltern und mir gewesen ist, mag ich heute noch nicht