Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Neuorientierung in der Judenfrage?
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 109 (sequence 4)
- Language
- German
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Slcuoricuticruufl in bcr Iudeusrage? 109 mit anderen, ist der Sinn und der gestaltende Faktor der jüdischen Geschichte" fordert Zurückweisung. Die Auffassung, die in diesen Zeilen verfochten wird, erklärt die nach Fenchtwanger angeblich vorhandene „Sterilität" d. h. die Anfähigleit, eine eigene Kultur zu erzeugen, wenigstens für gewisse Zeiträume, soweit eine, eigene Kultur in Frage kommen könnte, auf der anderen jSeite erklärt sie die „Fertilität", die Fähigkeit, die menschliche Kultur weiter zu fördern. Die Wissenschaft ist wahrlich unschuldig an der Nichtlösung der Iudenfrage, die Politik ist die große Sünderin. Sie handelt da nach einem Weltgesetz, das wir noch nie so klar in seineng Wesen erkennen können wie in diesem Weltkriege. Die§ Weltgesetz habe ich mit den Worten formuliert*): „Majorität unterdrückt Minorität" — vorausgesetzt, daß sie die Kraft dazu hat. Am dieses Tun als möglichst schicklich vor den Augen der Zuschauer hinzustellen, sucht man den Gegner herabzusehen, gibt ihn der öffentlichen Verachtung preis und.rechtfertigt so den Haß, mit dem man die Verfolgung begleitet. Die Juden kennen dies Verfahren längst, die Deutschen erleben es gegenwärtig. Beide können sich mit dem Goethefchen- Worte trösten: „Ich kann mich nicht bereden lassen, Macht mir den Teufel nur nicht klein! Ein Kerl, den alle Menschen hassen, Der —. muß was sein? — Die Zudenfrage ist eine Machtfrage, sie ist aber audy im wohlverstandenen Sinne zweier hochpoteuzierter Gemeinschaften eine Nechtsfrage, und es ist darum unverständlich, daß Fenchtwanger so wenig Empfindung für die Tatsache des Aechtskarnpfes hat, daß er den „Deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens", d. h. den Kampfer für das Necht des Deutschen jüdischen Bekenntnisses, eine „vermummte Gestalt" nennt. Es heißt ein Hinwegspielen von der Frage des NechLskampfes, wenn Fenchtwanger den Juden zwar den Begriff der Nation nicht beläßt, aber von ihnen behauptet, daß sie sich selbst bewußt oder unbewußt — als Nation fühlen und von den Nichtjuden als Natron empfunden werden. Dieser Krieg hat den seelischen und körperlichen Anteil der Juden am deutschen Vaterlande erwiesen, hat die Leistungen von Juden für das bedrohte Vaterland vor aller Augen erkennen lassen. Er wird an seinenr Teile hoffentlich mit dazu beitragen, daß eine .Neuorientierung auch auf dem Gebiete der Iudenfrage erfolgt lm, Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit in der Änteilgestaltung am Vaterlande. *) Im Deutschen Aeich, Aovemberhest 1911 ,-Juden, kapitalistische Gesinnung, Zielstrebigkeit?