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Im deutschen Reich · 1917-03-01 · Heft 3 (März 1917) · p. 108

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 3 (März 1917)
Article
Neuorientierung in der Judenfrage?
Date
1917-03-01
Page
108 (sequence 3)
Language
German
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108 Inr Deutschen Reich. laßt untersuchte er den Inden auf seine Eignung für den Kapitalismus, wobei er zu sehr anfechtbaren (Ergebnissen kam. So glaubt nun .auch Feuchiwangcr am den Wechselbeziehungen zwisclxn cf>rif(Hd>cni und jüdischein Dasein den ^!nteil der Juden au geschichtlichen und tulutvclleu Werten feststellen zu sollen. Mit der Zeit, in der noch keine rechten Wechselbeziehungen zwischen Christen und Juden vorhanden waren, mit dein Wittelalter, weiß Fenchtwanger nichts Achtes anzufangen. Was darüber an geschichtlicher Darstellung eristierch ist ihm. nichts weiter als „Marterchronik^^ oder biographisa-e Einzelnotiz. — Wenn aus solchen Zeitläuften nur d<rs Wirken eiusclucr bevorzugter Juden in literarischer Darstell-.uigeil festgchalten wird, so beruht das aber nun einfach darauf, daß es nur wenigen ans Oonuti* besonderer persöiilicher Be-rlxiU nisse vergönnt war, sich für das Ganze zu betätigen. Die jüdische Allgemeinheit war als Ganzes ab- und ausgeschlchsen. Gegenseitige Allgemeinwirlungeil zwischen Christen imtv Indeil. sind erst möglich geworden, aie> die Ghettoschrauien fielen, und Gemeinschaft zu Genreinschaft wirklich in Be- Ziehungen trnrt. Diese Beziehungen umren bedeutsam, weil es sich um geistig hochpotenzierte Gemeinschaften handelte. Nun aber aus der Tatsache, daß in die Augen fallende Wechselwirkungen erst nach der Trennung der Schranken sich ergaben, zu schließen — wie es Feuchtwanger tut .— daß jüdische Leistung allgemeinen Stiles erst in und durch Verquickung sich ergebe, ist ein grundfalscher Schlich. Bein --- die Formel ist eine sehr einfache: eine begabte Geineinschaft leistet erst dann Bedeutendes, weim man ihr die Möglichkeit einer Entwickelung gibt. Begabt zu Leistungen und leistungsfähig war sie schon immer — auch in den Zeiten der „Marterchronrk", nur lei st u u g s möglich nicht. Die berühmte Anpassungsfähigkeit der Juden ist nichts weiter als ein Zeichen der Begabung sich unter bestimmt gegebenen Verhältnissen n a ch Möglichkeit z u eniwickel u. So und nicht anders darf das allmählich berüchtigt gewordene Wort Assimilation aufgefaßt werden: Entwickelung aus engen Verhältnissen in weitere, freiere. Es ist ein häßliches Schlagwort, rvcnn man daraus eine ganze Bewegungmit Ziel — Assimilantismns — eine Fortcittwickclung aus dem Positiven zum Negativen, zr: dem Nichts, ein Aufgeben eitles bestimmten Programmes allein aus bcm Grunde der Entwickelung rrrachen will, ein würdeloses Aufgeben von Grundsätzen. So weit geht nun zwar Feuchtwanger nicht in seiner Auffassung der Assimilantion, aber gewisse Politiker tun es. Doch auch der Feuchtwangersche Satz:.„Die Äelativität des jüdischen Daseins die ständige Verquickung

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