Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 3 (März 1917)
- Article
- Neuorientierung in der Judenfrage?
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Neuorientierung in der Iudenfrage? 107 „übrigen" sind für Schmitz die Liberalen, die „sich Inden! nennen, aber es nicht sind". Dieser Name und das Gedächtnis an die Vorfahren genüge nicht, nin das Judentum .aufrecht zu erhalten. Llun sei es recht achtbar sich aus solchen Pietätserinnerungen selbst nicht taufen lassen zu wollen, aber bei den Kindern brauchte diese Pietät nicht mehr zu wirken. Mit diesen solle der Aebergang zu „Art und Glauben" stattsinden. Der gebildete Stadtjude stehe heute meist denr Christentum gegenüber auf demselben Standpunkt wie eine große Anzahl gebildeter Christen. Auch sie gehen nicht in die Kirche, haben aber eine tiefe Dichtung vor dem Geist des Christentums und können daher ohne jede Gewissensverirrung ihre Kinder durch die Taufe in die Kirche aufnehmen lassen. Schmitz unterscheidet also eine kirchliche Gebundenheit und eine kirchliche Angebundenheit mit bloßer Achtung vor dem Geist des Christentums. Es bleibt sein Geheimnis, warum er nicht dos gleiche Recht zu solcher Teilung dem Judentum zubilligt, und es ist schwer verständlich, wie solche „Art und Glauben" die Rettung des Staatswohls bewirken soll. Rein: die wahrhaft aufrechten Juden, die aus Gründen der Würde die Taufe ohne Aeberzeugung ablehnen, tun das Gleiche auch für ihre Kinder. Das ist die Lösung nicht und solche Lösung — wenn sie's wäre — ist schon zur Genüge abgewiesen worden. Von größerer Bedeutung ist eine Arbeit, die Sigbert Feuchtwanger in der Zeitschrift für Politik (Iuniheft 1916) unter dem Titel: „Die wissenschaftliche und die politische Iudenfrage" veröffentlicht hat. Trotz mannigfacher Einwendungen, die zu erheben sind, muß der Schluß, zu dem Femchtwanger gelangt, sympathisch anmuten: „Die Iudenpolitik hat die Aufgabe: das jüdische und christliche.Dasein zu ■ einer lebendigen und harmonischen Einheit zu machen." Zunächst sei anerkannt, daß der Verfasser ein außerordentlich umfangreiches Material zu seiner Arbeit zusammengetragen hat. Er befindet sich aber in einem Irrtum, wenn er meint, daß die „Iudenfrage" nur darum bisher nicht „gelöst" worden sei, weil man an sie nicht Wissenschaft herangetragen habe. Nein — sie ist deshalb nicht „gelöst" worden» weil Politik, d. h. der Widerstreit tausendfältiger Interessen, dies gehindert Hatz Sie läßt sich eben nicht einfach nach wissenschaftlichen Grundsätzen lösen, wie etwa eine matheinatische Aufgabe. Auch die Methode Sombarts — dargelegt in seinem Buche: „Die Juden und der Kapitalismus", — die es dem Verfasser so vielfach angetan hat, kann als eine Erfolg versprechende nicht anerkannt werden. Sombart stieß bei seinen Stühlen über den Kapitalismus vielfach auf Juden und jüdische Mitwirkung. Dadurch veran-