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Im deutschen Reich · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · p. 19

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Article
Ein Wörterbuch - ein Tatsachenbuch
Date
1917-01-01
Page
19 (sequence 3)
Language
German
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Ein Wörterbuch — ein Tatsachenbuch. 19 Jjdiii) des 'Meisters fast unversehens zu einem Stück ^Zeschichte de!' Juden, .ui einer 'Art 5tuUurmcncr und zur Volks- Psychologie. Die niedrige Spottlust, die sich als erzteutonisch maskiert und doch nur erzdumm ist, protzt bei der Verhöhnung des „Jargons"- mit derselben Unwissenheit, mit der sie sich beinr Verlachen der Ostjudentracht, des Kaftans, des Gürtels und des pelzverbrämten Baretts, lächerlich macht. Diese Kleidung ist nämlich die treubewahrte Tracht des alten, deutschen Frankenlandes. Line richtige Ausstattung der „Meistersinger von Nürnberg" Richard Wagners must Hans Sachs, Pogner wie alle anderen Meister im gleichen oder ähnlichen Kostüm zeigen. Der ftem der Sprache aber ist wieder echtes, deutsches Sprachgut, das uns sonst entweder ganz verloren gegangen ist oder nur noch im Allemanischen, im heutigen „Schwitzerdütsch", sich erhalten hat. Dieses .Kulturerbe gepflegt und erhalten zu haben ist ein Verdienst der Ostjnden, es ans Licht zu fördern, zu ordnen, von fremden Beimischungen zu reinigen, wissenschaftlich auszunutzen ist eine lohnende Aufgabe für unsere Sprachforschung. Auf den ersten Blick fallen uns gutdeutsche Ausdrücke wie „nechten" (gestern), „Schnur" (Schwiegertochter), „Seiger" (Ahr), Leilich (Leintuch) auf, die aus unserem Sprachgebrauch verschwunden sind. Auch viele Redensarten und Sprichwörter, die ircrtvolle Volksweisheit oder Volkslcrune bergen, sind größtenteils alter deutscher Sprachbesitz. Gleich die Einführung in die Schrift und Grammatik des Jüdischen bringt eine Anzahl solcher Redensarten und Sprichwörter etwa: Nit illichen, wos sitzt obenan, is a Pan, (Nicht jeder, der obenan siüt, ist ein \S er r) Das Aug' derzählt, was das Herz ineint, Er looft ernm nn sucht fein Nipp, (Er läuft herum und sucht seine Eva, Frau) Llrem un reich, liegen in dev Erd' beide gleich, Mus a fremden Bort is gnt sich zu lernen scheren, Far Geld bekommt man alles, mir net Tate-Mama, (Für Geld erhält man alles, nur nicht Vater-Mutter) Bist du hungerig, leck schc Salz, wet dich barsten. (Bist du hungrig, leck Satz, dann wird dich dürsten). Ist der Kern der ostjüdischen Sprache gut deutsch, so hat die Mundart im langen Zusammenleben mit den slavischen Böllern, mit Polen, Russen, Ruthenen einerseits slavische Elemente, Wörter doch auch Endsilben und grammatikalische Formen angenommen, andererseits aber gleiten Bestandteile aus der Gebetssprache, aus dem Bibel» und Talmud-Studium in den Sprachgebrauch hinüber. Die Mundart ist dabei nicht etwa der Bettelmann, der von fremden Sprachen Almosen, kleine Scheidemünzen einsammelt, sondern im Gegenteil eine Art Krösus, der aus dem Schatz mehrerer Sprachen mit gutem

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