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Im deutschen Reich · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · p. 18

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Article
Ein Wörterbuch - ein Tatsachenbuch
Date
1917-01-01
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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18 In? Deutschen Reichmehr. als das erläuternde und einführende Vorwort in Aussicht stellt. Freilich war das von vornherein zu erwarten. E'ur (Gelehrter von der Bedeutung des Geh. Kousistorialrat Pros, der Rheologie O. 1)r. Qcmurnu L. Strack, der in seinen: tnaritabgewandten Streben nur der reinen Wissenschaft lebt, konnte sich daran nicht wohl genügen 'lassen, ein hilfsbüchlem für den praktischen Gebrauch der' Beamten und Soldaten in Polen zu schaffen. Das war eben nur die äußere Anregung für die überraschende und schon sehr reiche Abschlagszahlung aus dem Fond seiner noch nicht abgeschlossenen Forschungen im Gebiete der „jüdischen Sprache", des sogenannten „Jargons", oder wie man in Amerika sagt und schreibt des „Jiddisch". Bei der Erörterung über diese Sprache und das ihr von Hermann Strack gewidmete Wörterbuch lassen wir selbstverständlich die Frage außer Betracht, ob die Beibehaltung und Fortentwicklung dieser Mundart wünschenswert ist. Zweierlei Meinungen und lieberzeugungen stehen sich hier schroff gegenüber. Auf der einen Seite tritt eine jungjüdische Partei mit leidenschaftlichem Eifer, mit dein ganzen Rüstzeug gelehrter und literarischer Kriegführung für die Daseins- und Entwicklungs-Berechtigung der ererbten Umgangssprache der Ostjuden ein, und eine bedeutungsvolle neuerstandene Dichtung ringt mit einem gewissen Erfolg um Aufnahme und Anerkennung im im Bereiche der Weltliteratur. Hat . doch auch der 'junge Goethe für diese Mundart Interesse gezeigt! Auf der anderen Seite wird mit sehr beachtenswerten guten Gründen die Beibehaltung des Jargons als kulturelles Ghetto, als freiwillige Selbstansschließuug aus der großen Kulturgemeinschaft gekennzeichnet. Die wahrlich nicht zu unterschätzende Frage der Auftechterhaltnng oder der völliger: Aufgabe aller überflüssigen und äußeren Besonderheiten gehört in ein anderes Kapitel, mit dem wir uns zn gelegener Zeit befassen werden. Das „Jüdische Wörterbuch" hat es nur mit der Sprache der Ostjuden als mit einer mm einmal gegebenen, der Erforschung harrenden Tatsache zu tun. Vom Standpunkte der voraussetzungslosen Wissenschaft, v'om Standpunkte der Wirklichkeitserforschung, für die, es in der Welt keinen Rangunterschied gibt, für die ein Elefant nicht groß und eine Mücke nicht klein ist. sondern gleichermaßen Gegenstand der Beobachtung, von diesem Standpunkt aus unternimmt Strack die Erforschung der jüdischer: Sprache. Was dabei zutage tritt, ist auch für den Kenner des Gegenstandes sehr wertvoll und ist überraschend für den Laien, der die kleine Mühe nicht scheut, das Lesen der eigenartigen Quadratschrift sich anzueignen. Stracks Einführung ist bequem und leicht faßlich. Was sich in dem Buche nämlich als reine Wörter- und Medensarten-Sammlung gibt, das wird unter der schöpferischen

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