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Im deutschen Reich · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · p. 20

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Article
Ein Wörterbuch - ein Tatsachenbuch
Date
1917-01-01
Page
20 (sequence 4)
Language
German
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20 Im Deutschen Reichs Anrecht, nach kluger Wahl und je nach Zweckmäßigkeit schöpft, Mit der Sprache macht er sich dabei die bildhafte Anschauung, den Erfahrungsbesitz, die Einsicht zu eigen» die in der Sprache geborgen ist. Denn die Sprache ist im Grunde der gewaltige Speicher des Volkswissens, der angesammelten Erfahrung. And eins ist dabei besonders kennzeichnend. Dem hebräischen, der Gebetssprache mtb der Sprache des geistigen Lebens, sind die Ausdrücke entlehnt, die dem Seelenleben, dem Gemütsbedürfnis, der Geistesarbeit entsprechen, den slavischen Sprachen entlehnt sind die Ausdrücke, die sich auf Alltagsbedarf, Geschäft, Beruf und namentlich auf den Verkehr mit der: Staatsbehörden beziehen. hört das feine und geschulte Ohr ans jeder Sprache etwas von der Geschichte, der Entwicklung von den: Charakter eines Volts heraus, so spiegelt sich insbesoudere in der oftjüdischen Mundart viel von der reichbewegten mtb oft tragisch zugespitzten Geschichte des ureigentlichen Leidensvolkes. Wie v>ehmütig berührt es uit3 nicht, wenn wir in Stracks Wörterbuch den deutlichen Spuren für die wenig bekannte oder zu wenig beachtete Tatsache begegnen, das; bcu Juden das Gesetz verbietet Zinsen zu nehmen. Die wenigen, streng umgrenzten Ausnahmen, (,,heter Esku") erwähnt das Wörterbuch im Bachtrag. And die ses Volk ist durch Jahrhunderte mit Gewalt einzig auf Geldgeschäfte verwiesen worden! Dann aber musste es sich den Vorwurf gefallen lassen, es treibe ,»Wucher". Das heisst, jemanden mit Schmutz bewerfen und ihm dann nachsagcn, er sei schmutzig! Der Sinn für die 'Anschaulichkeit und Bildhaftigkeit in der Sprache, die Schärfe und Feinheit begrifflicher Anterscheidungen, der Sinn für I nurigen Humor. der zuweilen aus der vom Schicksal aufgenötigten Wehmut hervorbricht — alles das laß das jüdische Wörterbuch .'Merkmal der „jüdischen Sprache" erkennen. Es wird so gan^ von selbst zu einen: Spiegel des Volksgemüts, za einem Bild seines Wesens, seiner Geschichte und Entwicklung. Wer auf Lücken oder Mißverständnisse Jagd machen wollte, der würde das Wörterbuch gewiß nicht ohne einige Ausbeute durchstreifen. Aber die kleinen Mängel, die solch einem ersten Versuch naturnotwendig anhaften müssen, nrindern nicht das große Verdienst des Verfassers, nicht den Dank, den er sich erworben, sie steigern aber die Erwartungen, die wir an die von Strack zu erhoffende weitere Förderung des Werkes zu knüpfen haben. Auch in der Beschäftigung mit Wörtern ist der hervortagende Orientalist und Theologe der andächtig-ernste Dienet «m Wort geblieben. In der richtigen Bewertung der Wörter,

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