Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Die Juden von Saloniki
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 15 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316865-2351325--26617-2351435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Juden von Saloniki. 15 fnnden habe. Die Frauen tragen unterhalb des Busens unö über der Hüfte einen breiten Gurt, der den ziemlich engen Nock hält. Vom oberen Teil des Körpers sind Nucken, Schulter und Musen nur durch das Hemd oder etwa noch ein helles Busen> tuch bedeckt, während der Hals und der obere Teil der Brust unverhüllt bleibt. ' Die Frauen wirken al/o etwa wie Gestalten aus der Zeit des Direktoriums, wie die „Merveilleuses" mit modernem herzförmigen Ausschnitt. Das Haupthaar ist völlig bedeckt durch einen gewöhnlich mit Stickereien, bisweilen auch mit Edelmetall verzierten Kopfschmuck von schreiend grüner Farbe, der sich dicht an die Kopfform anschließt und über den Rücken ähnlich wie ein großes Erapaud aus der Zopfzeit herabfällt. Ich will gern zugeben, daß diese Haarver? hüllung die weibliche Schönheit nicht hebt, aber auch dieser viel verlästerte Kopfputz macht doch einen gewissen Eindruck, den ich nicht als unschön bezeichnen möchte. Biel reicher ist die Tracht der Männer. Die Männer der ärmeren Schichte!:, Handwerker, Händler, träger: gewöhnlich die breite, farbige Pluderhose, die bis unterhalb des Knies reicht, und von den: breiten, farbigen Schal, der um die Hüften geschlungen ist, gehalten wird, über dem Hemd die kurze Jacke, alles in bunten Farben, und auf dem Kopf entweder das Fez oder ein mehr oder weniger künstlich geschlungenes buntes Kopftuch. Bei der: vornehmeren und begüterten Spaniolen, die die Tracht ihrer Väter noch nicht abgelegt haben, fallt die Pluderhose weg. Sie tragen ein langes Kleid, das bis auf die Knöchel reicht und aus grellfarbigem, bisweile:: gestreiftem Seidenstoff gefertigt ist. Man sieht diese Männerkleider in allen möglichen Farben: leuchtendem Goldgelb und weichem Himmelblau, auch in tiefem Scharlachrot. Auch dieses Kleid wird um die Hüfte von einem buntfarbigen breiten Tuch gegürtet. Aeber diesen: Unterkleide tragen sie eine Jacke inil ziemlich breiten Aermeln, die nicht tzeschlossen ist, ebenfalls ans farbiger Seide, aber immer in einer anderen Farbe, als das feibeue Uutergewaud, und über dieser Kleidung den offenen Kaftan, ebenfalls in buntfarbiger Seide und mit Pelz besetzt. Dieser Ueberwurf wird auch von den Aermeren viel getragen, und an der Oualität des Pelzes erkennt der Kundige aus den erfreu Blick den ungefähre!: Vermögensstaud des Besitzers. Der Fuchs liefert den .gewöhnliche!: Besatz. Be: den Vornehmeren ist das turbanartige Kopftuch seltener. Sie wagen fast allesamt das Fez. An der Spitze der jüdischen Gemeinde in Saloniki stand! der Großrabbiner, der mit sehr weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet ist und unter allen Veken::ern des mosaischen Glaubens im Orient das höchste Ansehen genießt. In Konstantiuopel und neuerdings, soviel ich weiß, in Sofia, gibt es