Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Die Juden von Saloniki
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 16 (sequence 5)
- Language
- German
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16 Im Deutscher: Reichs zwar auch Großrabbiner, die ideell an Macht und Würden! den: von Salouiki gleichgestellt sind) in Wahrheit nimmt jedoch der jüdische Papst von Salouiki den hervorragendsten Rang ein. Wenn er von Rechts wegen eigentlich nur auf religiösem Gebiete der oberste Leiter und Ordner sein soll,, so übt er tatsächlich auch auf die weltlichen Angelegenheiten einen nlächtigen und bestimmenden Einfluß. In kleinen und! sogar in sehr großen Streitfällen, und nicht bloß zwischen den Juden, sondern auch zwischen Juden und Andersgläubigen, Wandler: sich die Parteien lieber an die Weisheit und Gerechtigkeit des Großräbbiners, als an die türkischen Gerichte, die ihres Amtes sehr saumselig walteten, an die klagenden Parteien sehr bedeutende Geldansprüche stellten und schließlich wegen der Gerechtigkeit ihres Arteilsspruches noch stark angezweifelt wurden. Die Entscheidung des hohen religiösen Schiedsmannes soll, wie man mir gesagt hat, unbedingt respektiert werden. In Saloniki gibt es noch eine Sekte, die aus den Spaniolen hervorgegangen ist. Die Anhänger werden Dönmeh, Mamini oder Dölmes genannt. Den Benierkungen, die ich über diese eigentümliche.!: Sektierer tu den Mitteilungen aus dem Orient von Start Braun, Julius Grosser usw. gelesen habe, liegen die Angaben des gediegenen Kenners des Orients I. S. von Hahn zugrunde. Demnach wäre die Sekte in: Jahre 1667 von dem gelehrten Rabbi Sabatai Sevi gestiftet worden. I:: der Geschichte des Judentums von Jost wird der Stifter Schabbathai Zwi geschrieben und keineswegs als ein gelehrter Rabbi, sondern als ein halb verrückter Schwärmer und Fanatiker geschildert, der schon als Heiner Junge von acht Jahren Zeichen einer großen religiösen lleberspauntheit gab, sich als kaum Heranwachsender Jüngling für den Messias erklärte und 1639 in Saloniki als Messias einzog. Er war damals 18 Jahre alt. Er fand unter den Juden des Orients zahlreiche Anhänger. Im Herbst 1602 zählten die Anhänger Zwis über 70 000 Seelen. Die Bewegung, die Zwi angeregt hatte, erschien schließlich auch der türkischen Regierung bedrohlich. Zwi stellte sich dem Sultan Muhamed IV. und antwortete auf die Frage des Sultans, ob er der Messias sei, daß seine Anhänger ihn als solchen erkannt hätten. Darauf sprach der Sultan: „Ich will dein Messiaswesen prüfen. Es sollen drei vergiftete Pfeile auf dich abgeschossen werden; wenn sie dich nicht töten, halte auch tch dich für den Messias." Da erbebte Zwi. Der Dolmetsch gab ihm den guten Rat, er möge erklären, daß er die Juden zum Islam bekehren wolle. And um der Gefahr des Todes zu entgehen, befolgte Zwi die Weisungen des Dolmetsch. Er nahm einem Hosbedienten den Turban ab und setzte ihn sich