Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Die Juden von Saloniki
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 14 (sequence 3)
- Language
- German
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14 Sfat Deutschen Reichs keit, im allgemeinen ein recht kümmerliches Leben fristen, wird verschiedenen Umstanden zugeschrieben, vor allem der damaligen türkischen Mißregierung, der bisherigen Absperrung Salonikis von dem eigentlichen Weltverkehr, und dann auch'dem über-? reichen Kindersegen der jüdischen Ehen. Aber wenn es ihnen auch nicht allzu gut ergeht, sie machen doch im Gegensatz zu den schläfrigen uub immer gelangweitt aussehenden Türken und zu'den zurückhaltenden anderen Völkerstämmen der Balkanhalbinsel einen recht vergnügten und lustigen Eindruck. Mit einer Naivität in der Zudringlichkeit und Neugier, die sich gar nicht beschreiben läßt, umdrängten sie uns, folgten uns auf Schritt und Tritt, erboten sich zu allerlei Liebesdiensten, die wir nicht begehrten, lachten vergnügt, wenn wir sie von uns wiesen, und nahmen es auch nicht übel, wenn ein mit den Sitten des Landes vertranter Glaubensgenosse ihnen einen gehörigen. Puff gab. Solche körperlich fühlbaren Aeußerungen des Unwillens wurden ohne besondere Erregung gegeben und ohne Erbitterung entgegen genommen. Am possierlichsten waren die jugendlichen Stiefelputzer, die uns straßenlang verfolgten und, sobald wir irgendwo unvorsichtigerweise den Schritt verlangsamten oder gar stehen blieben, mit ihren Brettchen vor uns niederknieten, um den immer vergeblichen und immer erneuerten Versuch zu machen, die genügend blanken Stiesel doch noch zu putzen. Die Männer sind fast durchweg stattliche Erscheinungen, «und namentlich unter den Kindern und den Greisen findet man auffallend schöne Gesichter. Noch entzückender sind die kleinen Mädchen mit ihren schwermütigen, wundervollen Augen, die reizend und scheu unter langen Wimpern aufblicken, mit tiefbraunen und blauen Augen, blonde, goldige und schwarze Lockenköpfe. Die Mädchen heiraten sehr früh und verblühen sehr schnell. In den Jahren, in welchen sich bei uns die Frauenschönheit zur vollsteu Blüte entfaltet, sind die Schjönp ^iten unter den Jüdinnen in Saloniki sehr spärlich. Aber ich habe doch einige auffallende Ausnahmen gesehen: junge Frauen mit herrlichen, ausdrucksvollen AuZen, edelgeschnittenen Nasen, frischen Lippen und von jener zauberhaften, in der Kgt nur dem Orient eigenen topasartigen mattgelben Haut-, färbe, ohne die wir uns eine Schöne des Morgenlandes gar nicht verstellen können. Im Gegensatz zu meinen: Freunde Ludwig Pietsch, mit dem ich damals die unvergeßlichen Pfingsttage in Saloniki verbrachte, unb dem ich in künstlerischen Fragen ganz un^. bedingt mich unterordne, muß ich doch gestehen, daß mir auch die Tracht der Weiber durchaus nicht mißfallen hat, und daß ich bei der Betrachtung der Jüdinnen von Saloniki nicht, wie Pietsch, den Mangel des europäischen Korsetts schmerzlich emps