Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Die Juden von Saloniki
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Juden von Saloniki. 13 gl. M. Föst erzählt in seiner „Geschichte des Judentums und seiner Sekten", Leipzig 1829, daß diese Sefardim meist Abkömmlinge und sogar Häupter reicher und angesehener Familien waren, teils Kaufleute, welche Seehandel trieben, teils Staatsmänner von umfassenden Kenntnissen und geschäftlicher Amsicht, teils Aerzte, teils Gelehrte von Ruf, welche an Hochschulen Lehrstühle bekleideten. Sie sprachen allesamt die spanische und die portugiesische Sprache, wie sie auf der Stufe der höheren Lebenskreise durchgebildet war, waren mit dem Schrifttum der Halbinsel vertraut und dürften eine höhere gesellige Achtbarkeit und gewisse Vornehmheit in Anspruch nehmen. „Sie waren überaus betriebsam und hielten sich fern von Wucher und Trödel und jedem niedern Kram, so daß sie mit den unteren Volksklassen wenig in Berührung kamen« Ihre äußere Haltung war diesem Sinne gemäß, ihre bloße Erscheinung gab zu erkennen, daß sie nicht in Abgeschiedenheit erzogen waren." Die Spaniolen in Saloniki haben bis aus deu heutigen Tag sich die Eigenart ihrer Abkunft bewahrt. Sie sprechen und schreiben die Sprache ihrer Heimat, ein veraltetes, mit hebräischen Bestandteilen versetztes Spanisch, das von den Spaniern unserer Tage oi)iie besondere Schwierigkeit verstanden wird. Ihr Aeußeres mad>t im allgemeinen einen sehr guten Eindruck. Sie sind fleißig uub arbeitsam und scheuen auch die schwersten körperlichen Anstrengungen nicht. Der Apostel Paulus schrieb einst an die Bewohner von Saloniki, an die Thessalonicher: „So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen." Die Spaniolen scheinen diese Mahnung an die christliche Gemeinde zu beherzigen, obwohl sie die Sache eigentlich gar nichts angeht. Sie sind die Lastträger, die Hafen-- Arbeiter, die Kahnführer. Man findet unter ihnen Männer von herkulischer Körperkrast. Sie sind mit einem Wort die Handarbeiter und Handwerker, während die Griechen nur die leichteren Geschäfte betreiben, die Bulgaren hauptsächlich die Feldarbeiten besorgen, die Albanesen vorzugsweise als Galadieuer den Reichtum des Hauses, in den: sie angestellt sind, repräsentieren und die Türken auch hier, wie überall, so viel wie möglich faulenzen. Die Spaniolen gelten als absolut zuverlässig, treu und redlich.!Zu großen Reichtümern haben es nur einige wenige gebracht, die Großhändler und Bankiers Allatini und Modiano vor allen. Auch die Zahl derer, die sich eines relativen Wohlstandes erfreuen, ist eine ziemlich kleine,- die meisten leben in großer Dürftigkeit. Daß die Juden in Saloniki trotz ihrer Verstandeskräfte, die gewiß nicht geringer sind als die ihrer Stammesgenossen in anderen Ländern, trotz ihrer körperlichen Aeberlegenheit, trotz ihrer unermüdlichen Tätigkeit und Tüchtig-