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Im deutschen Reich · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · p. 11

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Article
Die Welt-Razzia auf jüdische Untaten
Date
1917-01-01
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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Die Dell- Nazzia auf jüdische Untaten. II dem Umstande, daß, unter sonst durchwegs arischen Beteiligten, auch cur „Katz" sich befindet. In ihrer Nr. 91 setzten die „Deutschvölkischen Blätter" ihre Treibjagd voll heißen Eifers fort. Sie brachten denn auch einen Simm«Kaselowöky in Berlin auf, der eine Kaution von 500 M. verbraucht haben soll, der aber anscheinend gar kein Jude ist. Ein Mann namens Hirschfeld in Berlin hat für 50 Pfg. Seife verkauft, die nur 40 Pfg, wert war. Ein Aron Schapissa, genannt Segel, in Wien, hat „Malz- und Surrogatkaffee zu Spekulationszwecten zusammen^ gekauft". Salornou hainronwitsch in Leipzig soll „Kakao mit Zucker und Salatöl-Ersatz mit über'mäßigem Gewinn verkauft" haben. Er wurde mit 200 M. Geldstrafe belegt. Das ist alles, was als Ertrag einer europäischen Welt- Razzia auf jüdische Verbrecher in Brr. 88 und 91 der Deutschvölkischen Blätter poniphaft ausgebreitet werden kann! So viel Ueberwindung es auch erfordert, uns und unsere Leser mit diesem Wust von Nichtigkeiten zu befassen es mußte einmal geschehen. An einem zufälligen Beispiel mußte einmal die antisemitische Methode und ihr Material aufgezeigt werden. Gern und ohne jede Nachprüfung zugetzeben, daß alle hier aufgereihten jüdischen Antaten wahr sein können — ist eine schönere Huldigung für das Judentum, denkbar als diese armselige Ernte einer die halbe Welt umfassenden Suche — denn gesucht hat man gewiß überall — nach jüdischen Untaten? Wie müßte das antisemitische Blatt seinen Umfang vervielfachen, wenn es sich zu einem Mülleimer für allen prozessualen CappaUcntrani der ganzen Welt — ohne strenge Beschränkung auf jüdisch klingende Namen — machen wollte! Mm wohl, alle vorn löblichen AnLisemileneifer auf dieser Welt-Razzia aufgcjrieben.cn Autaten mögen von Juden begangen worden sein. Es mögen auch schlimmere wirklich Vorkommen. Wo in aller Welt hat das Judentum aber die Verpflichtung auf sich genommen, eine Glaubensgemeinschaft von l a u t c r unschnldweißen Engelein zu bilden? Wir möchten unsere Glaubensgemeinschaft freilich von allem Anrecht ferngehalien wissen, das istu n s e r Wunsch.und u n ser Bestreben,- wenn die Antisemiten das Recht auf Vergehen und Verbrechen für sich in Anspruch nchnren wollen, so haben wir nichts dagegen einzuwenden, aber der Anspruchauf Gleichberechtigung schließt auch das Anrecht auf die üblen Neigungen und Instinkte nicht aus. Nichts Menschliches soll uns fremd sein. Das Strafgesetzbuch ist am Ende nicht ausschließlich für Antisemiten erlasserr. Aeber den Gefängnissen steht noch immer nicht der Lieblingswahlspruch der Radau-Antisemiten, ihr alter Schlachtruf: „Juden raus!"

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