Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Die Welt-Razzia auf jüdische Untaten
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 12 (sequence 4)
- Language
- German
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12 2m Deutschen Reich. Iin übrigen ist uns die antisemitische Jagd auf jede Spur eines von Juden begangenen Anrechts nur in hohem Grade willkommen. Sie zeigt auf der einen Seite den auffallend geringen Anteil des Judentums am Verbrechen und wird zu unserem unfreiwilligen Helfer in unserem Bestreben, das Verantwortlichkeitsgefühl der Juden zu steigern, sie moralisch zu heben. Wiederum ,,ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". C. V. St. * Die Juden von Saloniki. Eine Beiseerinnerung. Von P. Ld. Die Angaben über die Einwohnerzahl von Saloniki schwanken erheblich. Bei der Unvollkommenheit der tiirrifcT)cu Einrichtungen ist niemals eine genaue oder auch nur ungefähr genaue Volkszählung vorgenommen worden. Mitte der siebziger Jahre wurde die Zahl der Bevölkerung auf etwa 100 000 angenommen. Das war wahrscheinlich zu wenig. Jetzt — es war gegen Ende der Achtziger Jahre — schätzte man die Einwohner von Saloniki auf 130 000 bis 110 000 Seelen. Von diesen rechnet man nur etwa 20 000 auf die Türken und eben^- soviel auf die Vulgaren und die anderen Balkanvölker. Dazu kommen noch etwa 10 000 europäische Christen, uub alle anderen, also zwischen 80 000 bis 90 000, sind Juden. Die Juden ftuD hier also in einer alle anderen Konfessionen zusanunengenom^ men überwiegenden Mehrheit. Saloniki ist wohl die ansehn^ lichste Iudenstadt der Welt und jedenfalls die jüdische Hauptstadt des Ostens. Ein gelehrter Kenner des Orients wollte die Stadt deshalb auch Samaria genannt wissen. Schon in frühen Zeiten bestand in Saloniki, dem alten Tchessalonike, eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Diese erhielt zn Ende des fünfzehnten Jahrhunderts durch die grausame Austreibung der Juden aus der Pyrenäenhalbinsel einen gewaltigen Zuwachs. Von den 300 000 Inden, die aus Spanien vertrieben wurden, wälzte sich ein großer Teil auf die euron päische Türkei, wo sie die gastfreundlichste Aufnahme fanden, Und das schön gelegene Saloniki bildete einen Knotenpunkt ihrer Ansiedelung im Osten. Die schon ansässige Indengemeinde ging allmählich in> die Zuzügler aus dem Westen vollständig auf, nahm deren Sprache und Gebrauche an, und die jüdische Gemeinschaft in Saloniki ist seit Jahrhunderten eine einheitlich iberische. Die „Sefardim" oder Spaniolen, wie wir sagen, hatten in ihrer alten spanischen und portugiesischen Heimat hervor ragende Stellungen eingenommen.