Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 8 (sequence 4)
- Language
- German
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Im Deutschen 9\ctd>. nifcf^cit Nationalität." Das kann nun bei* Abg. Gotheln nicht gesagt haben. hier liegt offenbar ein Irrtum der Berichterstattung vor. freilich, freilich ist „für die deutschen Inden Deutschland das Vaterland, dem sie willig Oout und- ■ 93Iut hingeben", aber eben darum ist es urn so schmerzlicher, und wer wußte es besser als der fllbg. Gothein, daß der Weltkrieg noch keineswegs ,,mit jedem Best von Antisemitismus aufgeräumt hat". Er erhebt wieder dreister als je sein Haupt und der Kampf, der auch jetzt nicht ruht, der Kampf mit dieser Entente der Großmächte Verleumdung, Verdrehung. Entstellung wird nach dein Weltkriege uni so heftiger wieder entbrennen. Aber auch daß ,,die polnischen Juden dem Polentum ,,mit absolutester Gleichgültigkeit gegenüberstehen unb so eine starke Schwächung der polnischen Nationalität bedeuten", kann der Vortragende in dieser Anbedingtheit nicht gesagt haben. Er weiß sehr gut, daß ein ansebnlicher Teil der polnischen Juden jetzt schon — inmitten aller judenfeindlichen Politik der Polen — sich dem Polentum Tnltnrclt eng angeschlossen. „assimiliert" hat. daß ihm aber die große Masse der polnischen Juden nur durch die fanatische Verhetzung, durch den mit den übclfteu Waffen geführten wirtschaftlichen Vernichtungsrampf, entfremdet ist. Linern Staate, der ihnen Licht und Luft und Baum zur Entfaltung ihrer Kräfte gönnt, werden die Juden treue und wertvolle Bürger sein. Bei uns reiten die Antisemiten mit innner regerem Eifer das Steckenpferd des L e b e rr sm i t 1 e l - W u ch. e r s intb der Kriegs-Bereicherung. Freilich wird ein. verbrecherisches Spiel mit der Lebensmittel-Verteuerung getrieben, freilich benützen manche den Krieg, der unzählige hinwegrafft, der so viele verarmt, um sich zu, bereichern. Aber sollen wir denn mit Gewalt gezwungen werden, für jcb.cu einzelnen Inden, der beiin Lebensmittelwucher etwa genannt wird, ein Dutzend sder mehr Landwirte zu liefern? Wir sind weit davon entfernt, den deutschen Bauernstand, die deutschen Landwirte, für das Verschulden weniger verantwortlich zu machen. Wir weisen das häßliche Rezept ,,haust du meinen Juden, hau ich deinen Landwirt" entschieden von uns. Slber man höre auch drüben auf, für das Verschulden irgendeines Lebensmittelspekulanten, der Zufällig vielleicht jüdischen Glaubens ist, das Judentum verantwortlich zu machen? In der ,,Deutschen Tageszeitung" lasen wir dieser Tage den Satz: „es mögen 100, es mögen 1000 Landwirte sich versündigt haben — aber sind das die deutschen Landwirte? Ihrer sind doch Millionen!" Zugegeben. Aber soll das nicht in gleichem Grade fiir die Juden gelten?