Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Julius Stettenheim gegen den Antisemitismus
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 267 (sequence 4)
- Language
- German
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Julius Sleiteuheim g^gen den Antiscmitisnms. so hatte er doch, was er brauchte. Aus welchem Grunde also sollter ein SLaatspapier unter- und an eine fremde Macht tosschlagenA .... Ich will Dreifus nicht in Schutz nehmen, ich stehe ihm ferne,- imb ferner gehört er als Franzose sicherlich nicht zu meinen Erbftcunden. Im Gegenteil. Aber aus welchem Grunde, so frage ich mich, sollte ein Dokument aus dem Kriegsministerimn so gefährlich werden können- Seit nun bald einem Viertel Säkulum wird der europäische Friede unausgesetzt befestigt. Bis an die Zähne alter Staaten starrett diese in Waffen, damit der Erisapsel wie ein Augapfel geschützt sei. Friede ist das Erstgeläute aller Glocken, an welchen die Thronreden aller Länder gehängt werden „ . . Mars ist an der Majorseckei angelangt und steht mit einem seiner nnheitoolten Füße in der Pnisionierung. Und solchen Tatsack)en gegenüber sollte ein Mobitisicrungsplan und ein ähnliches Dokument für die Ruhe Europas eine solche Wichtigkeit heben? Das ist der Glaube, der keine Nahrung findet, und deshalb Berge versetzt, aber nicht selig macht. Es sollte mich freuen, wenn diesem Glauben allgemein entgegengetreten wird, so daß» er selbst daran glauben müßte. Die Zukunft wird die Aufklärung bringen." Diese Prophezeiung 'Stettenheims ist in Erfüllung genügen und die Zukunft brachte eine für die französischen Antisemiten geradezu vernichtende Aufklärung. Wiederholt hat Julius Stettenheim den Wahnsinn des Ritualmord-Märchens ad absurdum geführt. Man lese nur seine Skizze: „Der Ritualmord" in seiner Schrift „Lustige Gesellschaft".*) Für die Wertschätzung, deren sich Stettenheim auch seitens des preußischen Kultusministers Or. Bosse erfreute, zeugt die Tatsache, daß dieser mit ihm in einem regen schriftlichen und persönlichen Verkehr stand. Man weiß, daß dieser „Minister des Geistes" den Antisemitismus scheute und bemüht war, auch den Juden gegenüber nach Kräften Recht und Gerechtigkeit zu üben. Von dem besten Willen beseelt und selbst ein glaubenstreuer Mann, erließ er eine Reihe dankenswerter Verordnungen über den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten und über die staatliche Anterstützung jüdischer Volksschulen. Das Ueberlausertmn jüdischer Professoren war ihm stets peinlich und er hat sich darüber, wie mir Julius Stettenheim mitteilte, wiederholt mißbilligend ausgesprochen. Julius Stettenheim hat mir neben zahlreichen anderen Zuschriften den folgenden merkwürdigen Brief Bosses zur Ver* fügung gepellt: „Berlin, 31. Dezember 1896. Hochverehrter Herr Stettenheim! Keine größere Freude konnte mir zuteil werden als Ihre herrlichen „Tausend Ein- und Zweizeiler". Ein Tropfen Wermuth in diesem! Freuden kelch ist nur die Beschämung darüber, daß Sie mir so freundlich zuvorgekommen sind. Denn ich bin Ihnen ja noch mein Bild schuldig. Nehmen Sie es gütig auf. Ihre „Heiteren Erinnerungen" liegen immer -•) Berlin, Verlag von Hermann Paetel,- Seite 121 ff.