Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Die Rede des Reichstagsabgeordneten Dr. Haas
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 261 (sequence 4)
- Language
- German
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SDte Rede des Neichslagsabgeo rdn eterr Vr. ZaaA. 261 militärisch ist der Erlast grundverfehlt. Was braucht der Soldat an der Front? Er braucht seine Ehre, und man darf ihm nicht in der Weise, wie es da, wenn auch gewiß unabsichtlich, geschehen ist, seine Ehre nehmen. Stellen Sie sich einmal vor: in welcher Lage befindet sich der jüdische Soldat, auch der Soldat vorn im Schützengraben, wenn nun der Kompagnieschreiber die Verfügung in die Hand bekommt, die nicht genau so gelesen wird, wie es vielleicht wünschenswert wäre? Sie hinterläßt den Eindruck: „Der Jude drückt sich." Wie empfindet das der jüdische Kamerad? Meine Herren, der Erlaß ist auch geeignet, die Autorität jüdischer Vorgesetzter? zu untergraben. (Sehr richtig! links.) Ich mache kein Hehl daraus: Mir wäre es als Kompaanieführey nicht angenehm gewesen, wenn dieser Erlast in d.e Hände meines Kompagnieschreibers und meines Kompagniefeldwebels gekommen wäre. Ich meine, daran hätte das Kriegsministerium auch denken müssen. Ich habe eine Fülle von Briefen in diesen Tagen erhalten voller Klagen über den Erlaß, und es sind Briefe darunter —^ die^ Tränen können einem ins Auge kommen. Es geht durch alle Briefe hindurch: Nun sind wir gezeichnet. Einige schreiben: „Nun hat man uns offiziell, nachdem wir seit Beginn des Krieges draußen stehen, zu Soldaten zweiter Klasse gemacht!" Einer, der in der ersten Hälfte des Monats August 1914 sich das Eiserne Kreuz erworben hat — und das Eiserne Kreuz aus der ersten hälfte des Monats August 1914 bedeutet viel —, ein Mann, der mehrfach verwundet war und der jetzt als Verwundeter in irgendeinem Bnreau sitzt, schreibt, wie ihn die Verfügung kränke. Er sagt aber auch, hast die Statistik sehr merkwürdig gemacht werde. Er werde als Schreiber gezählt und nicht als der Mann, der monatelang draußen stand, der vor dem Feinde dreimal verwundet worden ist. (Hört! hört! links.) And noich eines, ineine Herren! Hätte man, bevor ein solcher Erlaß hinausgegeben wurde, nicht doch auch ein klein wenig daran denken dürfen, daß es auch jüdische Eltern gibt, die ihre Söhne beklagen? Gibt es in Flandern, in Frankreich, in Polen und weiter im Osten nicht auch Gräber jüdischer Soldaten? Wie empfindet es der Vater und die Mutter, wie empfindet es die Frau, die ihren Mann verloren hat, wenn sie jetzt, nachdem sie gern und willig das Beste hergegeben hatten, was sie besaßen, von dem ErlaH hören, der eben doch als ein Erlaß gegen die Ehre der deutschen Juden empfunden werden kann?