Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Article
Die Rede des Reichstagsabgeordneten Dr. Haas
Date
1916-11-01
Page
260 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316857-2316863-2351195--26522-2351270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

260 Ink Deutschen Reichdat war, und wenn seine Vorgesetzten sagen, er sei ein famoser, schneidiger Kerl, soll er dann deswegen nicht befördert werden, weil er in Dingen des Glaubens anders steht, als es von obenher gewünscht wird?! Das führt nicht zur Religiosität, das führt nicbt zum wahren, treuen Glauben, sondern das führt zu einem heuchlerischen Bekennen von sUeberzeugungen, die man nicht hat. (Lebhafte Zustimmung links.) Run möchte ich auch noch etwas zu der letzten Verfügung des Kriegsministeriums vom 11. Oktober d. Is. sagen, durch die das Kriegsministerium eine Zählung der jüdischen Soldaten an den verschiedenen Stellen der Armee angeordnet hat. Ich will dazu sprechen, weil ich Jude bin, und weil ich nicht wünschen würde, daß der Eindruck entsteht, als ob ich absichtlich in dieser Frage geschwiegen hätte. Denn ich habe es immer für meine Pflicht gehalten, offen und frei zu bekennen, was ich bin, und nicht zu verheimlichen, welcher Glaubensgemeinschaft ich angehörc. (Bravo! rechts.) Da will ich dem Kriegsministerium sagen: 'sein Erlaß hat in den weitesten Kreisen der deutschen Juden und wohl auch weit darüber hinaus lebhaftes Befremden erregt. (Sehr richtig! links.) Dieser Erlaß hat Befremden erregt auch außerhalb der Kreise der ^deutschen Juden, nämlich dort, «o Man der Meinung ist, daß wir jetzt, in dieser Zeit, die innere Einheit und die innere Geschlossenheit noch dringend notwendig brauchen. (Sehr richtig! links.) Dieser Erlaß hat überall dort Befremden erregt, wo man meint, daß es dringend notwendig ist, daß wir in diesem schweren Kampfe alle Volkskräfte einheitlich und geschlossen zusammenfassen. (Bravo l links.) Es ist von seiten des Kriegsministeriums heute erklärt worden, daß der Erlaß nicht böse gemeint war, daß das Kriegsministerium sich lediglich das statistische Material verschaffen wollte, um Vorwürfe, die erhoben worden sind, nachzuprüfen, und um diesen Vorwürfen, wenn sie ungerechtfertigt sind, entgegentreten zu können. Ich nehme die loyale Erklärung des Kriegsministeriums loyal an. Aber, meine Herren, ungeschickt ist der Erlaß des Kriegsministeriums. ungeschickt aus verschiedenen Gründen. Die hohen Herren verzeihen, wenn ich das in aller Bescheidenheit sage:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.