Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Die Rede des Reichstagsabgeordneten Dr. Haas
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 262 (sequence 5)
- Language
- German
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Im Deutschen Reich, )62 Noch aus tixum anderen Grunde bedauere ich den Erlaß: E§ bleibt uns doch nach dem Kriege so unendlich viel gemeinsame Arbeit ikbrig. Sie können — auch Sie rechts! — in einzelnen Fragen stehen, wie immer Sie wollen; aber darüber sind wir uns alle miteinander 4lar: Arbeit bleibt auch nach den: Kriege genug für das deutsche Volk, (sehr wahr! links.) rurd es wird von uns allen miteinander viel, viel gemein-- same Arbeit geleistet werden müssen. Wir ertragen es jetzt und wir ertragen es nach dem Kriege nicht, daß man das deutsche Volk mit aller Gewalt auseinanderreißen und gegenseitig verhetzen will. Noch auf eins wuvde schon von anderer Seite hingewiesem Fie wirken diese Dinge im neutralen Auslande? Wir wollen kernen allzu großen Wert darauf legen, was man im Auslands von uns sagt, gewiß nicht. Aber wir haben doch die Hoffnung, daß die Zeit nach dem Kriege uns ein Stück Wettpolitik ermöglicht, und, meine Herren, Weltpolitik ist nicht möglich ohne nationale und religiöse Toleranz. (Sehr nichtig! links.) Das ist einer der Vorwürfe, der immer und immer wieder gegcn uns erhoben wird: daß wahre Toleranz im deutschen Volke keine rechte Stätte finden könne. Ich weiß, daß der Vorwurf nicht gerechtfertigt ist; aber er wird immer wieder laut. Es geschieht zu viel, was der Auffassung eine gewisse Berechtigung verleiht, als ob wir von Natur intolerante Menschen wären. In den Rahmen dieser Dinge gehört der Erlaß. Wenn bei den deutschen Juden in größerem Maße als bei Andersgläubigen die Neigung vorhanden wäre, sich zu drücken, wenn bei den deutschen Juden in größerem Maße als bei den andern ein Gefühl der Feigheit und der Angst vorhanden wäre — meine Herren, ich will ganz offen sprechen: dann würde ich nicht anklagen die deutschen Juden, dann würde ich anklagen Ihre Urgroßväter und Ihre Arurgroßväter, die durch eine, jahrhundertelange Unterdrückung die deutschen Juden zu dem gemacht hatten, was sie ehemals waren. Ich sehe jetzt» wie die Dinge in Polen sind, ich sehe, wie man Menschen durch den Druck und durch die Knechtschaft demoralisieren kann. Ich weiß, was aus einem Volk durch den Druck gemacht werden kann, aber die deutschen Juden waren stark genug, um in relativ kurzer Zeit diese Folgeerscheinung der Rechtlosigkeit urrd des Druckes zu überwinden. Ich glaube, daß die Statistik, wenn man sie nur richtig macht, den deutschen Juden nicht zur Unehre gereicht. .Aber-