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Im deutschen Reich · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. 259

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Article
Die Rede des Reichstagsabgeordneten Dr. Haas
Date
1916-11-01
Page
259 (sequence 2)
Language
German
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Die fl7rbc bf? Nelch-?ta>p?al'goorbiictni Dr. Haas. 259 Zuden in Deutschland Genugtuung hervorgerufen. Obwohl diese Red; durch reichliche Zeitungsauszüge bekannt genug geworden ist, wollen wir sie an dieser Stelle nach dem amtlichen stenographischen Bericht wiedergeben, um sie damit für unsere Leserschaft festzuhalten als. dauernde Erinnerung au eine unerquickliche aber zeitgeschichtlich bemerkenswerte und in manchem Betracht in wachsamem Andenken zu bewahrende Episode aus der Weltkriegszeit. Nach Abweisung einer Aeßerung über das „Klassenheer" Und über die Behandlung der Dissidenten führt Abg. Or. Haas (Baden) fort: „Der Einzelne mag tief gläubig sein, der Einzelne weiß draußen im Kampfe, was ihm sein Glaube und seine Ueberzeugung bedeutet, aber er fragt den andern nicht danach, welchen Glauben er hat und wie seine Ueberzeugung ist. (Sehr richtig l links.) Wenn der andere nur ein guter Kamerad und ein tapferer Soldat ist, dann ist er ihnb recht und lieb als Freund und Kriegsgefährte. Es paßt die ganze Berfügung und die Stellungnahme des Kriegsministeriums nicht in den Krieg. Es fällt einem da unwillkürlich ein, wenn man von der soldatischen Seite der Sache spricht, wie in Wallensteins Lager — ich will gewiß die Armee jener Zeit nicht mit der unsrigen vergleichen — der Jäger sagt: „Da fragt niemand, was einer glaubt." Das ist soldatischer Standpunkt, daß einer selber seine Stellung zu seinem Gott wählt, daß er seiner Ueberzeugung und seinem Glauben lebt und doch die Anschauungen anderer achtet und ehrt. And dann: man kann Gedanken und inneres Erleben doch nicht reglementieren. Wie ich den Brief des Kriegsministers gelesen habe, fiel mir — damit bei einer derartigen ernsten Suche auch ein klein wenig der Humor zur Geltung kommt — ein böser Witz ein; er stammt noch ans dem Frieden: Die Einjährigen treten an Und der Kompagniesührer fragt sie nach ihrer Religion; einer sagt, er sei Dissident;, was sagt ihm da der tzauptmann? — „Wenn Sie sich bis morgen keine anständige Religion zugelegt haben, dann schreibe ich Sie zu den Juden!" (Große Heiterkeit.) Der Witz wird noch in anderer Form erzählt, noch sarkastischer und schärfer: „Kerl, wenn Sie bis morgen keine anständig« Religion haben, dann sperre ich <Sie drei Tage ins Loch!" Mit staatlichen Maßnahmen kann man die Religiosität nicht stärken und nicht vertiefen. Wenn einer draußen seine Pflicht und Schuldigkeit getan hat, wenn er ein tapferer Sol-

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