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Im deutschen Reich · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. 255

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Article
Noch einmal: Zur Ostjudenfrage
Date
1916-11-01
Page
255 (sequence 5)
Language
German
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Noch einmal: Zur OstjudcnsragL 255 die er spricht, bewußt als Nationalsprache sprechen will. ES ist nicht zu leugnen, daß seit einer Generation unter den Ostjuden und unter ihren vorgeblichen Wortführern in Deutschland sich Stimmen erheben, bic'bcm von den Ostjnden gesprochenen jüdischdeutschen Dialekt die Nolle einer solchen Nationalsprache zuschreiben wollen." Diese Proben werden genügen, um zu beweisen, daß' Li7 Iiviersche Schrift die Schrift zur Einführung in das Ostjudenproblem ist. Das wird auch derjenige zugeben müssen, der nicht durchgängig mit Zwier einverstanden ist. Als Ergänzung zu Zivier kommen die Gotdmannsche und die Meislsche Schrift in Frage. Sie sind gewissermaßen für Vorgerücktere geschrieben. Meist verspricht eine zusammenfassende Darstellung der Entwicklungsprozesse in der politischen, Wirtschafts- und .Kulturgeschichte der polnischen Juden. Es ist ihm natürlich nicht möglich, das alles auf 78 Seiten zu geben. Man wird aber viel durch das Büchelcheu für die Vergangenheit und für das Verständnis der Gegenwart lernen Die außerordentlich heiklen und schwierigen religiösen Fragen, die Stellung zum Chassidismus, die sogenannte Sprachenfrage werden eingehend in den: von uns bereits kurz besprochenen, äußerst lesenswerter! Vortrage behandelt, den Goldmann für die Generalversammlung des Rabbinerderbandes bestimmt hat. Goldmann verweist darauf — und das kann man nicht oft genug tun —, daß mau die Ostjuden nicht fortgesetzt als Objekt behandeln dürfe: daß man sie zunächst selbst einmal kennen zu lernen versuche und sie befrage, bevor? man über sie urteilt oder gar beschließt und daß man den in manchen deutsch-jüdischen Kreisen vorhandenen Hochmut den .Ostjuden gegenüber nicht scharf genug geißeln könne. „Das fommenbe Geschlecht, ja das kommende Geschlecht von heute, weist nicht mehr allzuviel von den Urgroßvätern, denen man im Grunde — mit Auonalmie der durch die industrielle Entwicklung mtb das Kuß'mummbräuaeu in der Großstadt entstandenen Schäden — etwa genau dieselben Porwürse machen könnte, wie heute den Oft jaden. Es wird einerseits gut sein, an diese Abstammung von Ostjnden heute zu erinnern, andererseits, an der Geschichte des deutschen Judentums die im Osten schlummernden hervorragenden Fähigteitcrr und Eritwicklmigsmöglichleiten zu beleuchten. Solche Aufklärung ist vielleicht noch wichtiger als die rein historische. Jene lehrt nur Verständnis, diese erweckt den Willen zu künstiger Arbeit!" Auch die Kritik der vielen schönen Rezepte, die zur Besser rung der Lage der Ostjuden von Freunden ebenso preiswerk wie bereitwillig gegeben worden sind, ist in höchstem Maße lesenswert. Insbesondere die Warnung Goldmanns vor der Überschätzung des Wortes von Auswanderung und Ackerbau. Die Sprachenfrage wird ausführlich von S e g e l, eben, falls einem polnischen Juden, behandelt. Leider hat Ergeh

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