Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Noch einmal: Zur Ostjudenfrage
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 256 (sequence 6)
- Language
- German
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256 Im Deutschen Reich« nicht darauf verzichtet, sein Buch mit unzähligen häßlichen persönlichen Angriffen zu spicken, die mit der Sache, die er vertritt, blutwenig zu tun haben. Trotzdem sind seine Ausführungen über das Verhältnis von Juden zu Polen, so sehr sie auch manchmal vielleicht zugunsten der Polen gefärbt sind, zur Bildung eines richtigen Urteils wertvoll. Was insbesondere Segel über die Stellung der Polen selbst zu ihrer jüdischen Umgebung sagt, sollte allerseits Beachtung finden. Wer, wie der Berichterstatter, seit vielen Monaten fortgesetzt mit der Bevölkerung der im Osten besetzten Gebietsteile, sowie mit der galizischen Bevölkerung zusammenkommt, und genötigt ist, in größerem Umfange von ihr zu kaufen, weiß, daß die Juden ohne Kenntnis der polnischen Sprache in jenen Teilen zugrunde gehen müssen. Sie mögen hebräisch oder jüdisch als Muttersprache betrachten; wenn sie nicht fließend polnisch sprechen und wenn sie nicht polnisch denken lernen, werden sie nie aus ihrem Elend herauskommen. Zum Schlüsse sei noch auf das im Jüdischen Verlag erschienene „Buch von den polnischen Juden" hingewiesen, das eine prächtige Zusaurmenstellung von belletristischen Arbeiten aus Kultur und Leben der polnischen Juden enthält und sicherlich mit Freude überall gelesen werden wird. Mögen alle diese Schriften, die wir hier erwähnt haben, dazu dienen, ein gerechtes Urteil über die polnischen Juden zu verbreiten. In dieser Hinsicht kann man den Herausgebern des Buches von den polnischen Juden beipflichten, wenn sie in ihrem Nachwort sagen: „Wer die säst tausendjährige Geschichte der polnischen Juden verstehend überblickt, wird ihnen tiefe Achtung nicht versagen. S» viele Leiden und soviel Lebenskraft, soviel Elend und soviel Geist und Ahnenstolz, glaubensstark schreiten sic durchs Leben, sei es tätig, sei es forschend oder verträumt." Ludwig Holländer. * Die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, die am 23. November in Berlin stattsand, erfreute sich eines zahlreichen Besuchs; der große Saal der Victoria-Brauerei war bis auf den letzten Platz gefüllt. In seiner Begrüßungsansprache wies der Vorsitzende, Reichstagsabg. Gothein, darauf hin, wie die Hoffnung, daß die Zeit des großen Krieges di« aiteir Streitigkeiten aus der Welt schaffen werde, sich nicht erfüllt habe. Denn schon hätten die Gegner ihr übles Banner wieder entfaltet. Nachdem der Vorsitzende einiger verstorbener Männer, die sich um die Bestrebungen des Vereins besonders