Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Noch einmal: Zur Ostjudenfrage
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 252 (sequence 2)
- Language
- German
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Inr Deutschen Reich., Ostjudenfrage jetzt schon, bevor der Gang der Geschehnisse noch übersehen werden faim, durch Broschüren und Schriften einbegriffen wird, die durch ein unangebrachtes Aus sprechen von Gedanken und Plänen den dortigen Inden nur Ungelegenheiteu bereiter. Jeder vorzeitige Vorschlag schafft den Ostjnden die -Feindschaft ihrer Gegner. Der deutsct>en Juden harrt eine schwere, aber dankbare Aufgabe. Zu ihrer Erfüllung brauchen sie Einigkeit und Takt." Trotz dieser Anschauung hat aber Zivier sich doch bereit findest lassen, die Frage zu behandeln.. And sicherlich nicht zum Schaden der Sache. Denn gerade er ist in hcrvm-ragendstem Maße von Sachkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Schärfe der Auffassung erfüllt. Diese Sachkenntnis gründet sich auf ein Doppeltes: Zivier ist in Russisch-Polen geboren und erzogen, ist von Beruf Historiker und hat sich speziell mit polnifct>er Geschichte besaßt. Da er in Deutschland studiert hat und seit vielen Jahren an hervorragender Stelle in Deutschland wissenschaftlich tätig ist, besitzt er neben deutscher Gründlichkeit auch richtiges Verständnis für die Bedürfnisse Deutschlands. So kann er, auf der einen Seite geborener Ostjude, auf der andern als völlig deutsch gewordener Bürger unseres Landes überall da, wo ein Arteil abgegeben werden muß, unparteiisch seine Aeberzeugung in die Wagschale werfen. Endlich zeichnet Zivier eine besondere Schärfe in der Fragestellung aus. Schon häufig wurde darauf hingewiesen, daß gerade jüdische Probleme deshalb unter einer zu oberflächlichen Behandlung zu «leiden pflegen, weil sich Leser und Schriftsteller nicht über den Inhalt und den Amfang der zu behandelnden Begriffe klar sind. Sowohl Zivier, als auch Soldmann haben die besondere Gabe, unzweideutig feftzustellen, worum es sich handelt. Zivier behandelt folgende Fragen: ,S>as soll mit den Juden in den eroberten Gebieten geschehen? Soll man sie, wie der Antisemit Adolf Bartels es vorschlägt, „nach der jetzt unter jungtürkisch-jüdischer Herrschaft stehenden Türkei" entfernen, was sich halb und halb mit dem auch in jüdischen Kreisen aufgetauchten Projekt, sie in größeren Massen in Mesopotamien anzusiedeln, beefeu würde? Soll man im Gegenteil ihre Auswanderung nicht begünstigen und insbesondere das deutsche Reich vor einer gefürchteten Invasion! russischer Inden durch Grenzschluß schützen? Und endlich, welche Stellung sollen sie in den den Russen abgenommenen Gebieten erhalten? Sollen sie als besondere Nationalität, mit gleichberechtigter besonderer Sprache, oder wegen ihres der deutschen Sprache verwandten Dialekts als Bindeglied (oder Mauer) zwischen Deutschtum Md Slawentum behandelt werden?" Grundlage für die meisten, insbesondere judengegnerischen Schristen ist die Behauptung der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse. Insbesondere hat der Kaiserliche Regierunqsrat Georg Fritz tn einer viel beachteten.Schrift „• _...jrage, Zionis-