Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Noch einmal: Zur Ostjudenfrage
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 251 (sequence 1)
- Language
- German
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Noch einmal: Zur Ostjndcnfrags. 2L- Noch einmal: Zur Ostjudenfrage. Ein Bericht.*) Bor mir liegen fünf im Saufe dieses Jahres erschienet. Broschüren über die Ostjuderrfrage: Dinjamin Segel: Die polnische Iudenfrage, Berlin. Georg SLilke, Josef Weisel. Die Inden im Zartum Polen. Bonn, Markus L Webers Verlag, Felix Goldmann: Die Stellung des deutschen Rabbiners zur Ostjudeufrage, Frankfurt a. M., I. Kaufsmann, Dr. E. Zivier: Zur Bassen- und Ostjudeufrage. Posen 1916, Joseph Iolowicz. Danrit ist die Reihe der Neuerscheinungen keineslvegs erschöpft. Fragt man nach den Gründen, welche so vielen Schriftstellern die Feder in die Hand drücken, so ist durchaus nicht nur Freude am Schreiben für die meisten bestimmend. Vielmehr herrscht allgemein die Empfindung vor, daß dev .Wendepunkt der Ereignisse eingetreten sei. Jetzt könne uno müsse etwas für die Ostjuden geschehen. Diese Meinung wird von den verschiedensten Gefühlen begleitet. Einige fürchten für Deutschland eine Aeberschwemmung mit lästigen Elementen, andere glauben an einen nicht gar großen, aber erwünschten Zuzug. Politische Programme werden auf ihre Stichhultigkeit anläßlich der Ostjudeufrage neu geprüft: Rassentheoretiker, Anti» semiten, Zionisten, deutschfühlende Juden, Strenggläubige, Liberale, alles sucht sein Süppchen an diesem Herd zu wärmen. Ob zugunsten der Ostjuden oder zu ihren Angnnslen, kann heute niemand sagen. Zivier meint: „Polen, Litauen und noch weitere russische Gebiete sind jetzt von den Truppen der verbündeten Mittelmächte besetzt und, wie nur hoffen, für immer den Fängen des blutrünstigen russischen Doppetaars entzogen. An dem Tage, an dem die politische Stellung dieser Gebiete sestgelegt werden wird, wird es Pflicht der deutschen Juden sein, aus dem Platze zu sein, um mir dem nötigen Takt und dem nötigen Verständnis daraus hinzuweisen, das; der Inden dieser Länder nicht vergessen werden dürfe. Soweit eine Vorbereitung hierzu notwendig isr, kann sie jetzt schon einsetzen. Aber nicht in Gruppen oder Grüppchkn darf die Aktion sich verzetteln, sondern einheitlich geleitet und organisiert und auf jede mögliche politische Gestaltung vorbereitet must sie sein. Gefahrbringend ist cs aber — und das möchte ich so laut hervorheben, daß ich in allen Kreisen des deutschen Judentums gehört werde —, wenn jetzt schon einzelne Gruppen und Richtungen dahin zu wirken versuchen, daß gerade ihr politisches Ideal verwirklicht werde, und ebenso gefäbrlich ist es, wenn ixt die schwere *) Dieser Bericht wurde vor der Proklamation der Selbständigkeit Polens verfaßt. Er ist aber durch die Ereignisse in seinem Inhalte nicht überholt worden. D. Red.