Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 249 (sequence 5)
- Language
- German
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AmsH.iu. 219 reitet man sich mit dankenswertem Eifer darauf vor, auf die zu erwartenden Friedensberatungen und Verträge zu Gunsten der Juden Einfluß zu gewinnen. Wir möchten indes auf eine Einwirkung von außen nicht zu sehr bauen und die Sicherung der vollen Gleichberechtigung der künftigen verfassungsmäßigen. Negierung Polens selbst anvertraut sehen. Das ist mit gutem Grund auch die Meinung der Negierungen unserer Verbündeten. Auf eine Anfrage der ungarischen Wochenschrift „Egyen loeseg" über die Gleichberechtigung der polnischen Juden antwortete Ministerpräsident Graf Tis za: „Ich kann mich nicht berufen fühlen, über die Angelegenheit der Gleichberechtigung der Juden in denn zu neuem Leben erwachten Polen irgendwelche Erklärung abzugeben. Denn die Entscheidung dieser Frage gehört in den Wirkungskreis des polnischem Staates. Ich bezweifle jedoch nicht, daß die polnische Station, die ihr Setbftoersügungsrccht zurüelgeivounm hat, aus der ganzen Linie, daher auch in dieser Frage, sich auf den Staud- Punkt der Freiheit und Rechtsglei ch heit stellen wird." Die Erfahrung mit N u m ä n i c u hat gelehrt, wie wenig eine von außen auferlcgte, nur durch Verträge gesicherte Gleichbercch ignng zur Gewährung der „Rechte" wert ist. Nun wird freilich keilt vernünftiger Mensch glauben, daß Polen jemals durch einen so heimtückischen Kniff wie die Negierung Rumäniens cincr feierlich übernommenen Verpflichtung entwischen könnte! Ueberdies haben wir soeben gesehen, daß dieselbe Politik der Kniffe mb der Treulosigkeit, die zur Entrechtung der Juden führte, Rumänien jetzt an den Rand des Abgrunds gebracht, wenn nicht schon ganz vernichtet hat. Immerhin bleibt es besser, wenn die Gleichberechtigung im eigenen, freien Willen und in der Einsicht der eigenen Regierung ihre Quelle hat, llicht ganz allein in von außen anferlegten Verpflichtungen. lieber den bedrohten Rechten der Juden* Polens vergessen wir indes nicht die stark angefcindeten und verkümmerten Rechte der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens denn, im Gegensatz zu 'den polnischen Abgeordneten, die es jüngst so heftig abwehrten, daß man sie als polnische Preußen bezeichnet, indes sie sich als preußische Polen fühlen, sehen sich die Juden nur als deutsche Staatsbürger an. Das ist ja auch in den verschieden gearteten Verhältnissen begründet. Die alte eingewurzelte Feindseligkeit freilich ist andauernd bestrebt, eine Scheidewand aufzurichten. Durch ihre Denunziationen, die durch Massen- Hastigkeit die fehlende.Wahrheit ersetzten, haben sie denn auch jene vielberufene 'Iudenstatistik im Heere Zuwege gebracht, die den Keim der Entfremdung in die Schützengräben trägt, die den jüdischen Soldaten dem Mißtrauen, um Mt zu sagen, %bex; Mißachtung aussetzt, die jugendlichen