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Im deutschen Reich · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. 250

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1916-11-01
Page
250 (sequence 6)
Language
German
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250 Im Deutschen Reich- Kämpfer tief verletzt, die Blut und Leben für das Vaterland einsehen und die deshalb so andauernde Erregung lM vorricf. Auch an dieser Stelle sei an die bereits bekannt gewordene Stellung Bayerns zu der Frage erinnert. Jüngst empfing derbayerischeKriegsminister eine Abordnung der Münchener und Nürnberger jüdischen Gemeinden. Sie berichtete über die hochgradige Erregung, welche die Anordnung der Zählung der jüdischen HeereSpflichtigcn sowie die Art ihrer Durchführung bei den Juden an der Front, und im Heimatgebiete hervorgcrusen habe. In seiner Erwiderung betonte der Minister, „die Tendenz dej Erlasses richte sich nicht gegen die Israeliten, sie> bezwecke vielmehr die Beschaffung von Unterlagen, um den Anschuldigungen gegen die jüdischen Heerespflichtigen cntgegentrcten zu könnenEr erklärte weiter, nach wie vor auf dem von ihm im vorigen Jahre im Landtage eingenommenen Standpunkte zu stehen, wonach er bei den Soldaten keine Konfession, sondern nur ,Pflichterfüllung kenne und,würdige. In Ueberemstimmung hiermit werde er eine andersartige Auslegung und Anwendung des Erlasses nicht nur im Interesse der Juden, sondern im allgemeinen vaterländischen Interesse nicht dulden. Inzwischen wird die antisemitische Werbetrommel wieder mit aller Macht und auf allen Märkten gerührt. Vor keiner Ver-, gewaltigung der Logik schrickt diese Werbearbeit zurück. „kjöher gehts nimmer" in diesen Entsetzensschrei brechen die „Deutsch-Völkischen Blätter" aus, angesichts der ganz unerhörten Verblendung, in der wir schreiben konnten, es sei wunderlich, daß man es uns förmlich zum Vorwurf machen wolle, wenn Juden auch im französischen, im englischen Heere kämpfen. Vollends wenn wir fragen: „Besteht nicht das englische Heer vorwiegend aus Protestanten? Kämpfen nicht Katholiken in den Reihen der Franzosen? Wer wird den deutschen Katholiken, wer den deutschen Protestanten daraus, einen Vorwurf machen?" Ob wir denn noch nicht dahinter gekommen wären, fragt das antisemitische Blatt, daß es sich hier nicht mm Religion handelt, sondern um das Blut. „Die deutschen Katholiken nehmen ihre französischen Glaubensgenossen auch nicht in Schutz, warum aber die Juden ihre rumänischen und russischen Glaubensgenossen!!" Das wollen wir dem lieben Blatte sagen: Weil den Katholiken in Frankreich niemand etwas zu Leide tut. Oder haben die deutsch-völkischen Blätter schon von Katholiken- Hetzen und Progromen in Frankreich etwas gehört? Wo irgend aber die Katholiken, wo die Christen um ihres Glaubens willen verfolgt, überfallen, entrechtet, niedergemehelt werden, da werden sich die deutschen Katholiken ihrer gewiß mit allem Können, allem Einfluß und allem Eifer annehmen. Das nehmen wir zu ihrer Mre an, I. L.

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