Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 247 (sequence 3)
- Language
- German
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.Umschau. 247 sich nehmen und ertragen mußte! Vom tosenden Sturm der Revolution in frühen Jünglingsjahren, als Achtzehnjähriger, aus den ortanumbrandeten Tron gehoben, hat Franz Josef Schicksale erfahren, denen gegenüber alle Tantaliden-Lose zu harmlosen Idyllen verblassen. Ein ritterlicher und heldisch veranlagter, herrlicher Bruder, Kaiser Maximilian, wurde in Mexiko von den Führern der sieghaften Revolution erschossen, der hoffnungsvolle Sohn und Tronerbe hat einen legendenumwobenen, tragischen Tod gefunden. Die vielgefeierte, wie aus einer FeenwelL in unsere rauhe Wirklichkeit verwehte Gattin, Kaiserin Elisabeth, ist in Genf von einer Banditenfaust erdolcht worden, der nächste Tronfolger ist am 28. Juni 1014 in Sarajewo samt seiner Gattin mit serbischen Bomben ermordet worden — eine Untat, die im Fortzeugcu Böses gebärend, den wildesten Weltkrieg entfesselte. Und zwischen all diesen Familientrauerspielen,, Meviel innere und äußere Enttäuschungen! Selbst vom Schicksal hart angesaßt und von Ungemach zu Ungemach die härtesten Prüfungen, die je einem Menschen beschieden waren, aufrecht, stolz und ungebeugt ertragend im Bewußtsein einer hohen Pflicht, war Franz Josef I. doch bestrebt. Glück um sich her auszustreuen und Wohltaten begleiten seinen Lebensweg. Mit einer Wohltat von unsterblicher, weltgeschichtlicher Bedeutung hat er sich denn auch von seiner Herrschgewalt verabschiedet, mit einer großen, historischen Wohltat einem ganzen Lande, einem ganzen Volke erwiesen, mit der Teilnahme an der Wiederherstellung des Rönrgreichs Polen und mit der Verleihung der schrankenlosen „Autonomie", des Rechtes vollkommener Selbstregierung an Galizien. Die natürlichste, die selbstverständliche Voraussetzung für ein Geschenk, und nun vollends für ein so herrliches, ist die Zuversicht, daß die? Beschenkten sich der Gabe würdig zeigen, sie im Sinne der Geber weise und edel verwenden werden. Möge Polen diese Erwartung der an seinem Glücke, an seinem Wiederaufleben freudig teilnehmenden Welt nicht enttäuschen! Die Ereignisse unmittelbar vor der historischen Unabhängigkeits-Erklärung vom 5. November waren nicht dazu angetan, die Bedenken in dieser Richtung zu zerstreuen und eine volle Genugtuung zu gewähren. Der polnischen Herrlichkeit mußten vor Kurzem die Juden dort noch mit sehr gemischten Gefühlen entgegensetzen. Die Juden, die für die Erlangung dieser Herrlichkeit so tapfer, so unermüdlich, so selbstlos gekämpft haben. Die junge Autonomie der Warschauer Stadtverwaltung überflügelte im antisemitischen Eiser alle judenfeindlichen Organisationen. So beschloß sie, wie man weiß, in den neuerbauten städtischen Kaufhallen den Juden nicht ihre Läden an den alten Stellen zu belassen — es soll vielmehr im hintersten Winkel der Gewölbehallen ein besonderer Platz für die Juden, ein Handels-Ghetto, eingerichtet werden. Mit schärfster