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Im deutschen Reich · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. 246

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1916-11-01
Page
246 (sequence 2)
Language
German
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246 Snt Deutschen. Neich, Franz Josef I zu berichten. Wenn es sonst das tragische, das unnatürlicheSchicksal unserer unnatürlichen Zeit ist, da, nicht wie sonst, Sohne ihre Beter zu Grabe geleiten, sondern Bäter ihre Söhne betrauern, so ist in Franz Joseph I. ein Mann nach Vollendung des schicksalsreichstcn Lebens spät zu langersehnter Ruhe abberufen worden. Noch niemals, in keinen: Lande, bei keinen: Bolle, zu keiner Zeit, hat ein Herrscher so lange regiert. Und die achtundsechzig Jahre seiner Negierungszeit umspannen an Wandlungen, an politischen und kulturgeschichtlichen Ereignissen mehr als sonst Jahrhunderte. Auch Deutschland betrauert, mit den Völkern Oesterreich-Ungarns, den Heimgang des Monarchen, der unseren: Reiche ein treuer Bundesgenosse, unseren: Kaiser ein väterlicher Freund, unserem Volk ein verständnisvoller Gönner war. Ganz besonders aber betrauern die Juden Gesterreich-Ungarns in Franz Joseph I. einen wohlwollenden, einen gütigen und gerechten, teilnehmenden Herrscher. Franz Josef, bis an sein Lebensende ein strenggläubiger Katholik, ist doch, vom ersten Tage seiner Regierung an, den ^Juden seiner Staaten ein teilnahmsvoller Förderer und Beschützer gewesen. Das Ueberhandnehmen der antisemitischen Bewegung in /seinen: Wien hat den Slatfer aufrichtig geschmerzt. Es D bekannt, daß er sich lange gesträubt hat, den als Bannerträger des Antisemitismus zum Bürgermeister Wiens gewählten Dr. Lueger zu empfangen und von der Freundlichkeit, die Franz Josef auf seinen Reisen wie bei Empfängen stets den Abordnungen der jüdischen Gemeinden, den Rabbinern, Gemeindevorstehern erwiesen hat, ist manche bezeichnende Anekdote in Umlauf. Sogar das Scherzwort, mit dem die Talmudgelehrten und Strenggläubigen unter sich den Kaiser bezeichneten, war eine Huldigung. Dieses Wort „Kire", ist gebildet aus Anfangsbuchstaben des hebräischen Gebets für den Kaiser. Wie denn überhaupt einmal nebenher erwähnt sein mag, daß der neuere Brauch der Zusammenziehung von Anfangsbuchstaben einer umständlichen Bezeichnung zu einem neuen Wort, die Gewohnheit also, von einer „Hapag", einer A.E.G., Z.<LG. von „d. u." usm. zu reden, einer uralten Gepflogenheit der hebräischen -Sprache entlehnt ist. In mehr als einem Ausspruch, in mehr als einer Tat hat Kaiser und König Franz Josef I. bekundet, daß ihm alle Bürger seines Reiches gleich lieb sind, hat er namentlich gegen eine Benachteiligung der Rechte seiner Staatsbürger jüdischen Bekenntnisses sich gewendet. Das neuerdings mehrfach erwähnte Wort, „in der Armee kenne ich keine Glaubensunterschiede, da kenne ich nurs Soldaten", .stammt von Franz Josef «I. Wie hätte auch das klassische Volk des Leidens nicht Verständnis, nicht Teilnahme finden sollen bei dem Manne, der, am höchsten stehend, auch das höchste Maß des Leides auf

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