Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Die Glaubens-Statistik im Heer
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 243 (sequence 2)
- Language
- German
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Die ©fauEcn*-3fa{iftif im Heer. 243 trag war eben ein Fehlgriff. Das hat man zeitig genug erkannt, früh genug, um den Irrtum wieder gut zu machen. Aber <ruch der Erlaß des Kriegsmüüsteriums ist keineswegs gehässigen Absichten entsprungen. Um gegebenenfalls' eine Abwehr der meist ianonymen Denunziationen — das Fremdwort ist hier nicht zu umgehen, weil das unschuldsweiße deutsche Wort „Angeberei" den angesammelten Inhalt gerechter Mißachtung noch nicht umfaßt, den das Fremdwort Denunziation in sich birgt — um eine Abwehr der anonymen Denunziationen anzubahnen ist jene Zählungsverfügung erlassen: worden. Das ist inzwischen in aller Form dargetan worden, und ein zweiter Erlaß erging, um jedes Mißverständnis an den betreffenden militärischen Stelen zu beseitigen. Dennoch wollen die hohen Wogen der Erregung, die jener überraschende Erlaß zur Vornahme einer Iudenstatistik im Heere verursacht hat, sich noch nicht völlig glätten. Was auch immer zur Besänftigung der Gemüter unternommen wurde, das aufgeschreckte Billigkeitsgefühl wollte es noch immer abwehren, daß der konfessionelle Zwiespalt auch dahin verpflanzt werde, wo die vollkommenste Einhelligkeit im Empfinden und Wollen eine Grundbedingung des glücklichen Erfolges ist, daß er verpflanzt werde in die Schützengräben. Die starke und nachhaltige Beunruhigung machte sich keineswegs nur innerhalb der jüdischen Bevölkerung geltend. Die hat nicht den mindesten Grund, zu befürchten, daß die Ergebnisse einer umfassenden, sachgemäßen, den wohlerwogenen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechenden Erhebung über ihren Anteil am Kriege ihr nachteilig werden könnten. Im Gegenteil. Aber auch in weiten nicht-jüdischen Kreisen fühlt man sich stark befremdet durch das Unter* nehmen, diejenigen, die draußen Blut und Leben einsetzen für das bedrohte deutsche Vaterland, oder auch nur diejenigen, die daheim.Beruf, Erwerb, Heim und bürgerliche Unabhängigkeit hingeben, Zeit und Kraft einsetzen an der Stelle, an die unsere Heeresleitung sie beruft, nach jjlam* und Art, nach Her-, kunft und Glauben zu befragen und zu sondern. Die jüdische Bevölkerung hat aber ein Anrecht, insbesondere haben die Angehörigen wie die Freunde des Zentralvereins deutscher Staatsangehöriger jüdischen Glaubens das Recht und sogar die Aufgabe, zu fragen, ob denn der Zentralverein den Er« eignissen gleichgültig, untätig zugesehen hat. Stun denn, zu einer Erörterung dieser Fragen wird die Hauptversammlung, die, an der Spitze dieses Heftes bereits angekündigt, demnächst einberufen werden soll, den willkommenen Anlaß geben. Der Verband der deutschen Juden, und, in Gemekrrschast mit ihm, unser Zentralverein deutscher Staatsangehöriger Mi« Men Glaubens hat jedenfalls sofort nach Bekanntwerden