Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Die Glaubens-Statistik im Heer
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 242 (sequence 1)
- Language
- German
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Jur Deutschen Reich, Die Glaubens-Statistik im Heer. Selten — sehr selten war der 'Abstand zwischen Absicht und Wirkung einer Maßregel so groß wie bei der vielberufenen Fudenstatistik im Heere. Liner Beruhigung — das steht nach allen abgegebenen Erklärungen wohl fest — einer Beruhigung sollte sie dienen und eine starke Beunruhigung hat sie hervl'rgerufen, zu höchlicher Aeberraschung derjenigen, die in guter oder doch jedenfalls nicht in übler Absicht diese Statistik veranlaßt haben. Zwei ganz verschiedene und nur zufällig zeitlich wie der Tendenz nach, zusammenfallende Vorgänge sind bet Erörterung dieser Frage auseinanderzuhalten. Der Antrag im Wirtschaftsausschuß des Reichstags und der Erlaß des Kriegs» Ministeriums. Der Antrag auf Zählung' der Juden in den Kriegs» gesellschosten ist von der Zentrumspresse zunächst ein „zeit» gemäßer' genannt. worden. Daß er ein unzeitgemäßer war, haben iudeß die Väter dieses Antrags bald selbst eingesehen, und sie haben ihr Kind verleugnet. Der Antrag ist auf dem Wege vom Ausschuß zur Vollversammlung des Reichstags seiner Entkräftung erlegen --- wir würden sagen, er habe den Geist aufgegeben, die Seele ausgehaucht, wenn er Geist oder Seele gehabt hätte. Es war schon , bezeichnend und ist für die Beurteilung der Regierungsabsicht beim Erlaß des Kriegs- Ministeriums von Wichtigkeit, daß dem Anträge im Ausschuß neben den Rednern der Linken auch der Vertreter der Reichsregie rung entschieden widersprach. Für den Antrag stimmten mit den Konservativen nur die Mitglieder des. Zentrums und der Rationalliberalen. Aber auch sie gaben den 'Antrag wortlos auf, als.sie den unerwarteten Eindruck — auf die Juden? nein, auf die ganze unbefangene Seffentlichkeit -~ erkannten, und so ist denn der Antrag — wie wir in unserem letzten Heft Voraussagen konnten — gar nicht erst an den Reichstag gelangt, in dem ihm nur einige Grabreden gehalten wurden. Rein, das Zentrum aLs Partei ist nicht antisemitisch kann es nicht sein, ohne seine Vergangenheit, ohne sich selbst aufzugeben. Dem Zentrum muß das Kernwort in Geltung bleiben, mit dem Mndthorst eine entschiedene Abwehr des Antisemitismus in der Sünden Maienblüte dieser Richtung schloß: „kerne Iudenhetze, aber auch keine Katholiken Hetze." Doch auch die Rationalliberalen als Partei haben nichts mit dem Antisemitismus zu tun. Die Berührung mit ihm würde für die Partei, zu deren Führern Laster, Bamberger, Rickert gehörten, nicht nur ein Bruch mit der Ueberlieferung, sie würde ein Selbstmord fein. Der An-