Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Das amerikanische Judentum und der Krieg
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 216 (sequence 6)
- Language
- German
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216 Im Deutschen Reich. nahmen erwirktes schnelles Ende des Krieges auch im Interesse Amerikas liegen würde. Er sagte: „Die Unterbrechung unserer wirtschaftlichen Entwicklung durch den Krieg hat schon jetzt einen sehr schädlichen Einstutz auf unsere moralischen Zustände hervorgebracht — nämlich Arbeitslosigkeit und die sich daraus ergebende Füllung der Armen- und Zuchthäuser. Haben wir daher nicht auch aus eigenem Interesse das Recht zu verlangen, daß dieser Zustand schnell ein Ende nehmen soll?" Die gesellschaftliche Stellung des Herrn Schiff schützt ihn vor Ausfällen der Zeitungs-Patrioten. Er war über den Verdacht erhaben, im Dienste des „Kaiser Propaganda-Bureaus" zu stehen. So versuchte man es denn, die Eeistes-Aristokratie gegen ihn mobil zu machen. Die New Parker „Times" war loyal genug, trotz ihrer ausgesprochenen antideutschen Tendenz auch die gegnerische Seite zu Worte kommen zu lassen und räumte nicht nur Schiffs Argumentationen ausgiebigen Platz ein, sondern gab auch redaktionellen Besprechungen darüber Raum. Gleich nach Erscheinen von Schiffs Interview richtete Professor Mather von der Princeton-Aniversitat einen offenen Brief an ihn, worin er bemerkte: „Die allgemeine Achtung, deren Sie sich in Ihrem Adoptiv- Vaterlande erfreuen, verleiht jeder Ihrer Aeu^orungen über öffentliche Angelegenheiten ein großes Gewicht." Hierauf bemüht sich der gelehrte Herr Professor, Herrn Schiff die Aeberzeugung beizubringen, daß er unrecht habe, und verlangte schließlich von ihm eine Erklärung, die Herr Schiff nicht geben wollte. Nun wurde Herr Schiff mit schwererer Artillerie angegriffen. Professor Charles Eliot, Präsident der Harward- Universität, zog mit einer in Galle getauchten Feder gegen ihn ins Feld. Der Briefwechsel zwischen den beiden angesehenen Amerikanern wurde in der „New Pork Times" veröffentlicht und von der Presse Amerikas lebhaft besprochen. Herr Schiff hält es für die Hauptsache, daß die Presse das amerikanische Volk wahrheitsgemäß unterrichtet, damit es zum vollen Bewußtsein aller Schrecken des Blutgemetzebs gelange. „Ich bin dessen gewiß, daß die öffentliche Menrung Amerikas sich dann sehr bald eifrig und unentwegt für den Frieden erwärmen wrrdj ohne solche Wandlung unserer öffentlichen Meinung aber wird diese schreckliche Menschenschlächterei und Zerstörungswut noch sehr lange Zeit archalten. Erkennt einmal das Volk die Wahrheit und wird es dafür begeistert, so wird es nicht allein reden, sondern auch handeln wollen, und was in erster Linie das wichtigste ist: die Waffen- und Muuitionslieferungen an die Kriegführenden, wie sie jetzt in so ausgiebiger Weise von Amerika aus geschehen, würden ein Ende nehmen. Freigebig opfert das amerikanische Voljk dem Roten Kreuz und anderen Hilfsgesellschaften große Summen, aber diese fließen zum größten Teil, wenn auch indirekt, aus dem Gewinn, der durch den