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Im deutschen Reich · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. 213

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Article
Das amerikanische Judentum und der Krieg
Date
1916-09-01
Page
213 (sequence 3)
Language
German
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Das amerikanische Judentum und der Krieg. 213 Länder anerkennt.) Aber Geber sind Vergeber. Herr Schiff gibt seit vielen Jahren nach allen Seiten wieder und immer wieder, ohne erst zu bedenken, wem er gibt. Er hat es erlernt, auf Dankbarkeit nicht zu rechnen — wenigstens aber-verdient er eine gerechte Beurteilung. Me Schiff erhoben sehr viele amerikanische Juden von höherem Ansehen für Deutschland ihre Stimme. Professor Edwin R. Seligmann, der Deutschland gründlich kennt und von Deutschlands Größe immer wieder überschwenglich sprach, schrieb mir freilich nach Ausbruch des Krieges: „So sehr ich die Deutschen liebe und bewundere, kann ich nicht ihren Sieg auf Kosten des Niederganges französischer Kultur wünschen." Die Engländer verstanden es nämlich, den Amerikanern die Aeberzeugung beizubringen, Deutschland wolle nicht nur Frankreich an sich reißen, sondern auch allen Verehrern französischer Kultur deutsche Sitten aufdrängen. Herr Schiff hingegen, als Amerikaner gewiß völlig einwandfrei, hat eine andere Auffassung des Bürgers ausländischer Abstammung gegenüber Amerika und dem Stammlande. Seit Ausbruch des Krieges hat er nicht nur mit verschwenderischer Freigebigkeit das Rote Kreuz und andere deutsche Hilfsgesellschaften bedacht, er hat es auch versucht, die vergiftete öffentliche Meinung aufzuklären, das amerikanische Volk an seine humanitären Pflichten zu mahnen. Die Engländer hatten gleich nach Ausbruch des Krieges eine antideutsche Hetze ins Leben gerufensie wollten um jeden Preis amerikanische Munition und amerikanisches Geld heranziehen, um die Deutschen niederzuringen. Sie berechneten, daß mehr als ein Fünftel der Nation als Deutsch-Amerikaner dem Stammlande wohlgesinnt sei. Eine derartige Macht mußte unschädlich gemacht werden. Der Engländer versteht es, und kein Mittel ist ihm zu schlecht, die Volksstimmung zu beeinflussen. Chauvinisten und Journalisten wurden aufgestachelt, Vorurteile gegen die Deutschen einzubürgenr, sie als Hunnen und Barbaren hinzustellen, zu deren Ausrottung Munition zu liefern ein löbliches Unternehmen sei. Amerikaner mußten auf Schiffe gebracht werden, um die Konterbande vor den Torpedos zu schützen. Herr Schiff aber scheute sich nicht, seinen Ansichten freimütig Ausdruck zu geben, wie ein Interview bezeichnend dartut. Er beginnt die Unterredung, welche die „New Pork Times" unter dem Titel „Der Weg zum Frieden" veröffentlicht, wie folgt: „Aus vielen Arsachen sind meine persönlichen Syrnpathien. für Deutschland. Ich kann nicht zu der Ueberzeugung gelangen. daß es der wirkliche Angreifer war; ich glaube vielmehr. daß der Krieg ihm aufgezwungen wurde. Es sieht bei-

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