Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Das amerikanische Judentum und der Krieg
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 212 (sequence 2)
- Language
- German
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212 Int Deutschen. Reich. 'Gesellschaft, noch ein einziges Mitglied seiner Familie auch nur mit einem Dollar beteiligt war; wie es hieß, weil sie nichts zur Unterstützung Rußlands beitragen wollten, in Wirklichkeit aber war Herrn Schiffs deutschfreundliche Gesinnung dafür ausschlaggebend. Die Sympathien, die Herr Schiff für Deutschland seit jeher hegte, hat er seit Kriegsausbruch wiederholt und tatkräftig bekundet. Die englische Zensur sorgte natürlich dafür, daß dies in Deutschland nicht bekannt wurde. Ein Beispiel unter vielen, mit welcher Liebe Herr Schiff seinem deutschen Stammlande zugetan ist: Er hatte der Cornell-Aniversitat die Summe von 100 0O0 Dollar für eine Lehrkanzel gestiftet. Als hierfür vor einigen Jahren Professor Erich Marks als erster Lehrer der deutschen Kulturgeschichte eingeführt wurde, hielt Herr Schiff eine Rede, welche insbesondere in folgender Stelle nebst seinem Edelsinne seine ausgesprochene deutschfreundliche Gesinnung wiederspiegelt: „In meiner Person vereinigen sich drei Rationalitäten: die stärkste ist die, welche ich aus eiaener Wahl, für die allein ich verantwortlich bin, erkor, und ich bin vor allem und über alles ein ^Amerikaner. Mit aufrichtigster Herzensneigung bin ich auch Jude; nicht nationalistischer Jude, da die Juden schon seit 1900 Jahren keine eigene Nation mehr bilden, aber ein gläubiger Jude und aus Aeberzeugung. Im gleichen Grade bin ich stolz auf meine deutsche Abkunft. Seit undenklichen Zeiten war Deutschland die Heimat meiner Vorfahreir, die seit dem Jahre 1400 in ein und derselben Stadt gelebt haben; es war die Heinrat meiner Eltern; daher fühlte auch ich mich als ein guter Deutscher. Ich bin stolz auf diese meine dreifache Zugehörigkeit und erachte »Mich deshalb nrcht minder als guten Amerikaner, weil ich alle drei Rationalitäten mit gleicher Liebe umfasse. Ich halte es für eine heilige Pflicht gegenüber meiner deutschen Abstammung, dieses Legat für die Eornell-Aniversitat zu ftiftciu Ich bin Der festen Ueberzeuaung, daß die deutsche Kultur dazu berufen ist, die amerikanische Ration, der wir «alle hier an» gehören, zu bereichen:. Weil ich so denke und empfinde, bin ich. der Verwaltung der Cornell-Ilniversitat dafür dankbar, daß sie von Deutschland Herrn Professor Erich Marks kommen ließ, einen Geschichtsforscher, welcher den Wert und die Bedeutung der deutschen Kulmr kennt. Er wird bier seine Vorlesungen über die Geschichte Deutschlands wahrend des letzten Jahrhunderts halten, über das neue Leben, das einem wiedergeborenen Volke -erwuchs, das im Jahre 1870 einer Ration erstand, welche, wenn auch noch jung an Macht und Eigenart, doch, alt in seiner Geschichte fft.« Herr Schiff gehört zu jener Älasse von Philantropen, die Rückgrat besitzen und den Mut,- der eigenen Meinung Ausdruck zu geben. Der große Philantrop erleidet nur in verschärfter Form das Schicksal der Propheten, die im eigenen Lande nichts gelten; in seinem Falle in zwei eigenen Ländern. (Die Zionisten nehmendes ihm übel, daß er nicht drei eigene