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Im deutschen Reich · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. 207

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Article
Die Hauptstelle für Berufsberatung der Juden
Date
1916-09-01
Page
207 (sequence 3)
Language
German
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Me HcrupLstelle für Berufsberatung der Juden. 207 den Gang der Geschichte ausgezwungen ist, muß aufhörerr« Berufe, von denen sie bisher sich sernhielten, müssen ihnen erschlossen werden. Zahlreiche Vereine erstreben seit Jahren mit Erfolg, die Juden der altjüdischen Betätigung, dem Ackerbau, wieder zuzuführen, ihnen das Handwerk zu erschließen usw. Es gilt nunmehr, alle diese Kräfte zusammenzufassen und planmäßig zu organisieren. Es gilt die Verteilung der Juden .auf alle Verufsstände, insbesondere auch auf die körperlich arbeitenden Berufe in Stadt und Land! Ist dieses Ziel erreicht, so wird die heute .beklagte ungesunde Zusammendrangung der Juden in den großen Städten, ihr Zudrang zu einzelnen Berufen von selbst verschwinden. Dies wird aber nicht nur dem Judentum und dem sozialen Frieden, sondern! dem gesamten Volke zugute kommen und ^der allgemeinen Hebung der Volkskraft dienen. Diese Gedanken haben dazu geführt, daß sich vor einigen Monaten eine Vereinigung von Männern aus allen Kreisen; Ilind Berufsständen zur Gründung der „Hauptstelle für Berufsberatung der Juden" zusammenfand. Daß sich darunter neben Leitern der großen jüdischen Organisationen und neben jMännern, die im Gemeindeleben seit langem eine führende Rolle spielen, auch manche bekannte Soziatpolitiker und Männer der Praxis befinden, die sich von der Betätigung in jüdischen Dingen sonst ziemlich fern gehalten haben, zeigt, daß es sich hier wirklich um eine Frage von allgemeiner Bedeutung für die gesamte deutsche Volkswirtschaft handelt. In welcher Weise die Arbeit gedacht ist, zeigt die von der Hauptstelle herausgegebene Denkschrift, der wir folgende Sätze entnehmen: I. Durch Beeinflussung der Wahl des ursprünglichen Berufes. Hier muß die Tätigkeit eine doppelte sein: a) Vorbereitende Tätigkeit: Lehrer, Erzieher, sowohl private als öffentliche, Kinderhorte, Lchrlingsheime, Iugendvereine und dergl. können nicht früh.genug damit beginnen, die körperlichen Fähigkeiten zu wecken, Lust zur Handbetätigung, Lust zum Landleben zu wecken und sie zu fördern. Hier hat die pädagogische Tätigkeit ein weites Feld. — Es muß den Eltern, sowohl durch Gesamtbelehrung von der Kanzel, in Vortragen, wie durch Einzelbelehrung in Wort und Schrift, der Außen derjenigen Berufe» auf die die Jugend hingewiesen werden soll, ihre volkswirtschaftliche und soziale Bedeutung klargestellt werden. b) Belehrung b e i der Berufswahl selbst: Hier bietet die bereits vorhandene Tätigkeit mancher Vereine ein geeignetes Vorbild. Es muffen Geistliche» Direktoren und Lehrer in den Schulen für die Bestrebungen in geeigneter Weise interessiert werden. Daneben müssen auch Berufsberatungsstellen geschaffen werden» die den einzelnen, ins Leben tretenden Menschen und ihren Eltern und Erziehern bei der Wahl des Berufes mit Rat znr Seite stehen.

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