Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 202 (sequence 5)
- Language
- German
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202 Im Deutschen Neich.- Sind nicht dagegen die etwa drei Millionen Juden in Amerika die zuverlässigen und eifrigen Vertreter der deutschen Sache gegenüber einer durch Munitionsprofite, durch den Einfluß einer käuflichen Presse und durch die Wirkung englischer Lügenberichte wider Deutschland aufgehetzten Bevölkerung? Aber nicht nur in Deutschland ist der Judenhaß wieder am Werke. Ueberall schießt die giftige Saat in die Halme. In den alten Brutstätten der Iudenverhetzung und Verfolgung steht er in besonders! jüppiger Blüte. In Rußland werden, die Wohnungen derselben Juden, die auf dem Schlachtfelde für den Zaren ihr Blut vergießen, geplündert, die Familien der Vaterlandsverteidiger werden vertrieben, weil sie in Abwesenheit des Hausherrn kein „Wohnrecht" haben. In Rumänien aber führte sich der edle Krieg würdig mit Pogromen ein. Kann sich der Heldenmut gegen die österreichischen, ungarischen, deutschen Heere nicht behaupten, gegen die schutzlosen Frauen und kleinen Kinder der ins Feld gezogenen jüdischen Soldaten zeigt er sich in strahlendem Glanze. Unter den mannigfachen Vermutungen über die letzten Ursachen des rumänischen Verrats und Treubruchs konnte — seltsam genug! — auch die Annahme auftauchen, Rumänien habe sich um der gemeinsamen Iudenfeindlichkeit willen den Russen zugeneigt. Den Russen, deren rohe Gewalttätigkeit sie so oft und deren schnöden Undank sie nach dem Kriege von 1878 kennen gelernt haben! Die Rumänen hätten gefürchtet, eine Verbindung mit den Mittelmächten ivürde sie — wie entsetzlich! — dazu führen können, den Juden „die Rechte", die Bürgerrechte einzuräumen, wozu sie übrigens durch den Kongreß von 1878 verpflichtet wurden. Eine so gesinnungsvoll geleitete Zeitschrift wie der „Türmer" (Stuttgart) sogar, diese Monatsschrift, die, in feinfühlig und empfindlich nationalem Sinne gehalten, doch zu vornehm, zu gewissenhaft und verantwortungsbewußt ist, um sich auf den Tummelplatz des rohen Antisemitentruns hinüberdrängen zu lassen, gibt jenen Mutmaßungen Raum. Der „Türmer" schreibt im letzten Heft: „Die verblendete Politik Rumäniens, die das Land bei einem Siege der Entente nur der panslawistischen Umklammerung ausliefern ftmn, findet zum gewissen Bruchteil ihre Erklärung auch darin, daß die rumänische öffentliche Stimmung» ob mit Recht sei dahingestellt, in Rußland den mindest nachgiebigen Halt wider die Universalmacht des Judentums erblickt. Wer sich in Rumänien auskennt, wird es bestätigen, wie oft man dort seit dem' Jahr 1614 von den Einheimischen sagen hören konnte: „Wenn wir mit den Zentralmächten gehen, kommen wir in die Lage, daß wir den v . ... Juden ,die Rechte' geben müssen!" Wiederum mag hier unerörtert bleiben, oh und wieweit diese Voraussicht auch eine Tief-Einsicht darstellen konnte. Aus demselben Abneigungsgrunde