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Im deutschen Reich · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. 195

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Article
Die Kriegsziel-Polonaise
Date
1916-09-01
Page
195 (sequence 3)
Language
German
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m ,Aem Heldenmut der Kaiserscharen Soll sich der Durst nach Beute paaren? Wir haben nicht das Recht und wir haben auch jetzt keinerlei Grund zur Annahme» daß eine Partei, eine, die in der führenden Presse oder in der deutschen Volksvertretung auf ernstes Gehör ein Anrecht hat, nach glücklich und siegreich beendetem Kriege mit der Rechnung in der Hand vor der Regierung erscheinen und Bezahlung fordern wird» Bezahlung für die dem Vaterland geopferten Söhne, Brüder, Freunde. Aber das Geschlecht der „Eilebeute" und ,,Habebald" — auch diese Gestalten seiner „gewaltigen Gesellen", hat Goethe, wie so manche andere schöne Anregung, aus der Bibel in seinen „Faust" hinüberholt, aus Iesais und dem Buch der Richter — daß Geschlecht der „Haltefest" ist auch bei uns nicht ganz ausgestorben. Gin Anzeichen — ein zufällig gewähltes Beispiel aus Den letzten Zeiten, ist der süßsaure Verlegenheitston, mit dem die antisemitische Presse die Kanzlerverhtitzung fcc* grüßte, daß „freie Bahn für alle Tüchtigen" die „Losung" sein solle. Das verdrossen-mißvergnügte Brummen mit dem diese Verkündigung zunächst ausgenommen wurde, ging nach und nach in offene Ablehnung, in entschlossene Abwehr über. Irr der freudigen Genugtuung, mit der jenes Kanzler» wort in der liberalen Welt begrüßt wurde, lag — ohne daß man in diesen Reihen es irgend wollte, ohne daß man sich dessen auch nur bewußt wurde, eine schmerzhaft bittere Kritik der Zustände vor dem Kriege. Denn im Grunde ist dieses Schlußwort der Kanzlerrede vom 28. September, dieses jubelnd ausgenommene, als große Verheißung bewillkommte Wort, in dem jene Rede gipfelte, nur eine Selbstverständlichkeit. Wie weit müssen wir eigentlich von diesem natürlichsten Weg: der gerechten und zweckmäßigen Geschäftsführung im Staatsleben abgeirrt sein, wenn die Feststellung einer unausweichlichen Forderung im hohen Ton der Verheißung vorgetragen, mit der Freude der Aeberraschung ausgenommen werden kann. Dennoch hat die „Deutsch: Tageszeitung" es fertig gebracht, jenes kraftvolle Schluß- und Gipselwort der Kanzlerrede vom 28. September sofort für.eine „völlig nichtssagende rhetorische Wendung" zu erklären. And zugleich wies es das Organ der Agrarier weit von sich, daß jemals ein „Sozialdemokrat oder ein Jude" in Armee- oder Staatsverwaltung eine irgendwie wesentlichere Stellung einnehmen fönne. Von vielen Seiten zur Rede gestellt,-berichtigte sie sich oder äußerte sie sich entgegenkommender in bezug auf etwaige „Tüchtige aus dem Ar beiter stände", in bezug aus die Juden wich sie einer solchen einschränkenden Erklärung aus. Die Wahrnehmung

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