Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Die Kriegsziel-Polonaise
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 194 (sequence 2)
- Language
- German
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194 Im Deutschen. Reich. Kriegszieleil ist öffentlid) noch i'aum die Rede gewesen. Dabei ist es doch auf den ersten Blick, klar, daß für das Gedeihen unseres Reiches wie für das Recht, für die Ruhe und Sicherheit, für Glück und Behagen jedes Einzelnen, die innere Gestaltung und Umgestaltung der Dinge im Lande mindestens ebenso wichtig ist, wie die etwaige Erweiterung der Grenzen. In welche Richtung wir gedrängt werden sollen, das zeigt bereits die immer rücksichtsloser, trotz des „Burgfriedens" immer av griffslustiger sich gestaltende sogenannte ^Kanzler- Fronde". Es sind nicht demokratische, oder irgendwie revolutionäre Parteien, sondern zum guten Teil die Erbpächter der Stacttslreue und der Regtenmgsfreundlichkeit, die mit allen sonst als demagogisch gebrandmarkten Mitteln, mit im geheimen verbreiteten Flugschriften, mit heftigen Anklagen, mit Gehässigkeiten und Anfeindungen wider den Reichskanzler sich wenden. Der Verdacht ist demnach nur zu begründet und formt sich beinahe schon zur Gewißheit, daß dieser heimliche Aufruhr sich richtet gegen den Kanzler, der den inneren Frieden mit allen Parteien geschlossen hat und ausrechterhalten will, sich richtet gegen den Kanzler, der ,,ül!en Tüchtigen" freie Bahn offenhalten will, zugunsten eines Zukunftskanzlers nach dem tzerzen der für ihre Privilegien bangenden, für weitere Vorzugsrechte wirkenden Parteien. Zugunsten eines Reichskanzlers nach den: leuchtenden Muster jenes Kanzlers im ,,Faust", dem ,,Natur und Geist" Ketzeret ist und dessen Programm im wesentlichen lautet: ..in Kaisers alten Landen Sind zwei Geschlechter nur entstanden. Sie schützen würdig seinen Thron: Die heiligen sind es und die Ritter Sie stehen jedem Ungewitler And nehmen Kirch und Staat zum Lohn." Zur Verteidigung unseres wie nach lang vorbereiteter Verschwörung überfallenen Reiches haben sicherlich auch sie ihre Söhne hinausgesandt. Auch mit ihrem Blute ist der Boden reich gedüngt, der Boden, aus dem uns eine neue Zeit der Erfüllung sprießen soll. Diese Frucht der kostbarsten Aussaat, die je einen Acker befruchtet hat, sie soll allen Landeskindern in gleichem Maße zustatten?ommen> wie alle sich in gleichem Maße dem Feinde enkgegengestellt, in gleich freudiger Bereitwilligkeit Blut und Leben geopfert haben. Aber nicht um Lohn, nicht in irgendeinem Gedanken an Lohn haben sie alle sich in Reih und Glied gestellt — eine lebende Schutzmauer für das bedrohte Reich. Wir weisen die Annahme weit von uns, daß in den Reihen unserer Kämpfer die „gewaltigen Gesellen" der alten Kaiserkriege in Goethes „Faust" zu finden sein könnten, deren Fahne den Wahlfpruch trägt: