Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Die Kriegsziel-Polonaise
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 196 (sequence 4)
- Language
- German
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196 Im Deutschen Reich, der persönlichen und Partei-Interessen, auch eine ungestüme und über alle Billigkeit hinausgehende Forderung, können wir gelassen hinnehmen. Nur darf sie nicht die A n spräche für sich aus dem Absprechen für andere befriedigen wollen. Die Juden, die viele Zehntausende auf die Schlachtfelder entsandten, die Juden, die so viele Tausende ihrer blühenden Jugend für das Vaterland opferten und mit ihrem Blute alle, alle Schlachtfelder netzten, die Juden, die sich auf dem Felde der Ehre das lang vorenthaltene Recht auf den Offiziersrang im buchstäblichen Sinne des Wortes erkämpft haben, die Juden werden dem Reiche keine Rechnung entgegenhalten. In der großen Kriegsziel-Polonaise an den Türen der politischen Lebensmittelausgabe werden die Juden ganz fehlen. Was sie mit freudiger Bereitwilligkeit für das Reich getan, geopfert haben, war ihnen nichts als selbstverständliche Pflichterfüllung dem bedrohten, bedrängten Vaterlande gegenüber. Aber sie werdön Wache, scharf ausblickende Wache halten müssen, daß ihnen von den längst erworbenen politischen Rechten nichts geraubt werde. Die Juden werden nicht mit dem Kanzlerwort „freie Bahn für alle Tüchtigen" wie mit einem Schuldbrief erscheinen, denn cs verspricht nichts, was uns nicht schon Verfassung und Gesetz gewährleisten. Aber darüber, daß uns diese alterworbenen Rechte nicht wieder und mehr noch als bisher verkümmert werden, müssen wir eifersüchtig wachen. I. Lnd. * Fritz Nahmen Das Leben unseres verstorbenen Freundes und Mitarbeiters Fritz Rahmer bot in seinen: äußeren Verlauf nichts Angewöhnliches. Wie so viele, war er ein guter, fleißiger und oft prämiierter Schüler, ein ernster Student, der seinen Angehörigen, Lehrern und Freunden durch Pflichterfüllung, ehrenhafte Gesinnung und gute Erfolge ans Herz gewachsen war. Die geistige Regsamkeit seiner Vaterstadt Berlin teilte sich ihm mit und so lernte er von Jugend auf das in seiner, väterlichen Familie liegende warme Interesse für Vaterland und religiöse Gemeinschaft praktisch betätigen. Bloße Betrachtung genügte ihm nicht. Seine aktive Natur strebte nach Auswirkung. Bot ihm die allgemeine Lage vor 1914 nur Gelegenheit, seine Treue zur Heimat durch Verbreitung seiner Gesinnung und Anschauung in die Tat umzusetzen, so konnte er seine Liebe zur alten Gemeinschaft der Väter schon in jungen Jahren im weiten Arbeitsgebiet unseres Vereins durch die Tat bewähren. Die Begeisterung für unsere Sache mag ein Erb-